Warten auf den Notarzt - Bürokratie statt schneller Hilfe
Notfallsanitäter sind hochqualifiziert, dürfen aber oft nicht das tun, wofür sie ausgebildet wurden. Wegen eines bürokratischen Flickenteppichs müssen Patienten teils unnötig leiden. Von N. Maurer und A. van de Pol. [ mehr ]
Notfallsanitäter sind hochqualifiziert, dürfen aber oft nicht das tun, wofür sie ausgebildet wurden. Wegen eines bürokratischen Flickenteppichs müssen Patienten teils unnötig leiden.
Es ist ein Abend vor wenigen Wochen in der Nähe von Bielefeld, als Dörthe Freitag zusammenbricht. Ihr Bauch verkrampft sich so stark, dass sie kaum noch atmen kann. "Furchtbare Krämpfe, Schmerzen, dann immer wieder dieser Schwindel", erinnert sie sich. Ihr Partner alarmiert den Rettungsdienst, doch die Notfallsanitäter hätten ihr nicht helfen können, erzählt sie.
Denn Freitag ist allergisch gegen das Schmerzmittel, das die Sanitäter dabeihaben. Das könne sie umbringen. Ein anderes Medikament hätten ihr die Sanitäter nach eigener Auskunft nicht geben dürfen, ohne einen Notarzt nachzufordern: "Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich sie gefragt habe: 'Können Sie das nicht anders regeln?' Die schauten sich dann so an, als wollten sie sagen: 'Wir würden ja gerne, aber wir dürfen nicht.'"
Freitag will nicht auf den Notarzt warten und lässt sich ins Krankenhaus fahren. Dort werden ihr Gallensteine entfernt, so groß wie Golfbälle. Auf Anfrage des ARD-Politmagazins Report Mainz schreibt die Klinik, dass Dörthe Freitag "die Möglichkeit gehabt" habe, einen Notarzt hinzuziehen. Auch andere Schmerzmittel seien möglich gewesen. Unter welchen Umständen genau, schreibt die Klinik nicht.
Überlastete Notaufnahmen und schlecht vernetzte Rettungsdienste: Die Probleme in der Notfallversorgung sind groß. mehr
Müssen Notfallpatienten länger leiden, weil Notfallsanitäter nicht handeln dürfen, ohne einen Notarzt hinzuzuziehen? Notfallsanitäter aus mehreren Rettungsdienstbereichen bundesweit kritisieren gegenüber Report Mainz, dass sie ohne Notarzt keine oder nur wenige Medikamente verabreichen dürften. Das gelte insbesondere für Schmerzmittel. Und das, obwohl Notfallsanitäter die Medikamentengabe in der bundesweit einheitlichen Ausbildung lernen.
Der Rettungsdienst ist in jedem Bundesland anders geregelt: Träger vor Ort sind in den meisten Fällen die Städte und Landkreise, die wiederum fast überall einen sogenannten Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) haben. Dieser bestimmt unter anderem, ob und welche Medikamente ein Notfallsanitäter selbstständig verabreichen darf - ohne dass ein Notarzt dabei sein muss. Einige Notfallsanitäter kritisieren, dass Notärzte nicht immer schnell verfügbar seien. Sie müssten in manchen Fällen bis zu eine halbe Stunde auf den Notarzt warten, bevor einem Patienten ein Schmerzmedikament verabreicht werden könne. In einem Fall seien sogar Schmerzmittel vom Är
📌 Kaynak
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