Michael Vassiliadis: »Was ist der Beitrag der Reichen, Starken und Schönen?«
Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft IGBCE, ist zu Gast beim Sozialgipfel des Kanzlers. Hier kritisiert er die Reformagenda und fordert einen Verteidigungssoli.
Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Gewerkschaft IGBCE, kritisiert die Agenda des Sozialpartner-Gipfels als unzureichend und fordert mehr Fokus auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Er bemängelt, dass wichtige Themen wie Handelskonflikte, Digitalisierung und Energiepolitik nicht ausreichend berücksichtigt werden. Vassiliadis betont, dass Symboldebatten von den eigentlichen Problemen ablenken und fordert konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Industrie. Er plädiert für einen offenen Dialog und kritisiert einseitige Forderungen ohne entsprechende Angebote seitens der Arbeitgeber. Trotz Konflikten um Themen wie Emissionshandel betont Vassiliadis die Bereitschaft der Gewerkschaften zu konstruktiven Gesprächen für eine zukunftsorientierte Lösungsfindung.
Michael Vassiliadis ist Vorsitzender der Gewerkschaft IGBCE. Er ist seit über 15 Jahren im Amt und damit der dienstälteste und einer der einflussreichsten Gewerksführer im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Vassiliadis gilt als gemäßigt und ist auch im Arbeitgeberlager angesehen.
DIE ZEIT: Herr Vassiliadis, am Mittwoch sind Sie zum Gipfel der Sozialpartner beim Kanzler geladen. Was werden Sie ihm erzählen?
Michael Vassiliadis: Ich freue mich zunächst einmal, dass es diesen Dialog gibt und wir die Gelegenheit zur Stellungnahme und zum Austausch haben. Das war bisher nicht der Fall. Allerdings wird die bisherige Gipfelagenda den vielen Herausforderungen nicht gerecht, vor denen das Land steht.
Vassiliadis: Es wird nach allem, was wir wissen, am Mittwoch vor allem um Rente, Gesundheit, Steuern und Staatsmodernisierung gehen. Das sind alles wichtige Themen, aber im Grunde dienen sie der Haushaltskonsolidierung. Das ist nicht verkehrt. Aber die entscheidende Frage ist doch eine andere: Wie schaffen wir wieder Wachstum? Wie sichern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und unsere wirtschaftliche Zukunft? Darüber müssten wir eigentlich reden.
Vassiliadis: Wenn ich mir die Lage der Industrie anschaue, kommen wir mit der bisher beschriebenen Agenda jedenfalls nicht weiter. Wir haben eine völlig veränderte geopolitische Lage, auf die wir jetzt eigentlich konsequent reagieren müssten. Das beginnt bei Handelskonflikten, der Beschaffung von Rohstoffen oder Energie. Das steht aber nicht auf der Tagesordnung. Wir haben die Chinesen, die mit ihrer aggressiven Subventionspolitik unsere Märkte schwemmen. Auch das steht nicht auf der Tagesordnung. Wir müssen die Frage beantworten, wie wir mit der Digitalisierung und KI umgehen. Das steht ebenfalls nicht auf der Tagesordnung. Ich könnte die Liste fortsetzen. Ich spitze einmal ein
📌 Kaynak
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