Carlos Ghosn: Von Interpol gesuchter Ex-Manager gibt jetzt Erziehungstipps im Krisengebiet
Der frühere Manager hat Zuflucht im Libanon gefunden, das Kriegsgeschehen ignoriert er weitgehend: Carlos Ghosn betreibt heute einen YouTube-Kanal. Dass er per Haftbefehl gesucht wird, stört anscheinend nicht.
Der frühere Chef von Renault und Nissan Carlos Ghosn, 72, lässt sich offenbar weder von internationalen Haftbefehlen noch von Bomben auf Beirut aus der Ruhe bringen. Der Mann, dem Ermittler vorwerfen, Geld aus Firmenkassen für sich selbst abgezweigt zu haben, floh 2019 in einem spektakulären Coup in einem Koffer vor der Justiz aus Japan. Heute inszeniert er sich im Libanon als jemand, der auch im Chaos den Überblick behält. Auf Instagram veröffentlicht er Kurzvideos auf Englisch, in denen er rund 200.000 Followern Tipps zu Krisenmanagement oder Kindererziehung gibt.
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»Burn-out. Das ist ein Mythos«, sagt der von der Interpol gesuchte Ex-Manager etwa in einem seiner Beiträge, die offenbar in seinem Haus in Beirut entstehen. Man sieht ihn entspannt zurückgelehnt, meist im hellblauen Hemd, vor Blumen aus dem Garten oder in einem sonnendurchfluteten Zimmer. Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah, die wirtschaftliche Krise im Libanon und die gegen ihn laufenden Verfahren spielen in seinen Auftritten keine Rolle. Nur einmal äußerte er sich laut »Le Monde« öffentlich zum Krieg und sprach von einem »Konflikt ohne sichtbares Ende, ohne erkennbare Logik«.
Ghosn verkauft seine spektakuläre Flucht längst als Teil einer größeren Erfolgserzählung. In einem Spotify-Podcast schilderte er sie 2025 ausführlich. Der Titel: »Out of the Box: Business-Meisterklasse des Ausreißers des Jahrhunderts«. Die Justiz bleibt dem Ex-Manager auf den Fersen: Drei internationale Haftbefehle liegen gegen ihn vor, ein Pariser Gericht hat ihn für September 2026 wegen Korruption vorgeladen. Er wird nicht persönlich erscheinen, der Libanon liefert ihn nicht aus.
📌 Kaynak
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