Justiz: Richter sanktioniert Anwälte wegen KI-Halluzinationen
In den USA haben Anwälte beider Parteien generative KI für Schriftsätze genutzt und erfundene Belege eingereicht. Das Gericht zieht Konsequenzen. ( KI , Software )
Ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Mississippi hat einen Prozess abgebrochen und alle vier beteiligten Juristen vom Verfahren ausgeschlossen, berichtet 404media(öffnet im neuen Fenster). Die Richterin reagierte damit auf den Einsatz von generativer künstlicher Intelligenz durch die Rechtsvertreter beider Parteien. Die Juristen hatten Dokumente eingereicht, die von den KI-Werkzeugen frei erfundene Präzedenzfälle enthielten. Die Richterin stellte fest, dass die Anwälte die Zeit des Gerichts verschwendeten und als bloße Absegner agierten, anstatt die digital generierten Inhalte unabhängig zu überprüfen.
Auslöser des Verfahrens war ein vertraglicher Streit über unbezahlte Honorare zwischen dem Anwalt Tom Withers und der Stadt Aberdeen in Mississippi. Im Laufe des Verfahrens reichten die Rechtsbeistände beider Seiten Schriftsätze ein, die auf nicht existierenden Gerichtsentscheidungen basierten. Der Vorfall wurde öffentlich bekannt, nachdem ein US-Anwalt die Dokumente in den sozialen Medien beschrieb. Er wies darauf hin, dass die Klienten im Prinzip dafür bezahlten, dass Sprachmodelle vor Gericht gegen sich selbst argumentieren.
Nach der Aufdeckung der gefälschten Quellen stoppte das Gericht die Verhandlungen und sagte den anstehenden Prozess vollständig ab. Alle vier Juristen verloren ihre Zulassung für dieses spezifische Verfahren. Gegen zwei der beteiligten Personen verhängte das Gericht zudem ein zweijähriges Auftrittsverbot vor diesem Bundesgericht. Abhängig vom individuellen Verschulden bei der Pflicht zur Überprüfung der KI-Generierung müssen die Betroffenen zudem Geldstrafen zwischen 1.000 und 3.500 US-Dollar zahlen.
Bei einer Anhörung im Januar 2026 hatten die Anwälte die Richtigkeit der Vorwürfe eingeräumt und ihr Bedauern ausgedrückt. Zwei der Juristen gaben an, die Dokumente ungeprüft übernommen und eingereicht zu haben. Eine Anwältin erklärte, sie habe die Software First Drafts für die Formulierung des gesamten Schriftsatzes genutzt. Sie gab an, nicht gewusst zu haben, dass künstliche Intelligenz fehlerhafte Fakten oder Halluzinationen erzeugen kann.
Die Richterin bewertete diese Erklärung als unzureichend. Das Gericht wies darauf hin, dass die betroffene Juristin die Nutzung der Technologie auch nach der gerichtlichen Aufforderung zur Stellungnahme fortgesetzt hatte. Andere Richter dokumentierten noch im April 2026 erfundene Fälle in ihren Einreichungen für weitere Verfahren. Das Gericht wertete die Entschuldigungen der Juristin vom 20. Januar 2026 daher als unaufrichtig und sprach von einer extremen Verletzung der beruflichen Sorgfaltspfli
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