Jeffrey Epstein Files: Die Suche nach der verschwundenen Michele aus Deutschland
2015 verlässt sie mit Koffer und Pass die Wohnung, seitdem wurde Michele nie wieder gesehen. So haben der SPIEGEL und das ZDF versucht, die Geschichte der jungen Frau zu rekonstruieren.
Mehr als zehn Jahre lang gibt es keine Spur zu Michele. Bis ihr Name in den Epstein-Files auftaucht.
Im September 2015 verschwindet eine junge Frau. Sie ist damals 22 Jahre alt und verlässt mit Koffer und Pass die Wohnung – ohne jemandem Bescheid zu sagen, wohin sie geht. Sie meldet sich nicht mehr bei Familie oder Freunden. Bis heute ist Michele verschwunden.
DER SPIEGEL und das ZDF haben versucht, Micheles Geschichte zu rekonstruieren – und zu verstehen, was mit ihr passiert sein könnte. Die Recherche führte uns tief in Epsteins Netzwerk. In eine Schattenwelt, in der die Modelbranche nahtlos übergeht in Missbrauch. Und zu einem Helfer von Jeffrey Epstein: Daniel Siad.
In den Epstein-Akten taucht sein Name mehr als tausendmal auf. Mindestens seit 2009 steht er in Austausch mit dem Financier. Und bietet Epstein Frauen an. Siad sagt heute, er hätte nicht gewusst, dass die Frauen missbraucht werden. Gegen Siad wird inzwischen in Frankreich ermittelt, unter anderem wegen mutmaßlichen Menschenhandels. Er bestreitet die Vorwürfe. Auf unsere Anfragen reagierte er nicht.
Die Familie von Michele hat uns Kinderbilder gezeigt, uns erzählt, dass sie schon immer Model werden wollte. 2012 habe sie Siad in Dubai kennengelernt. Er sei Modelscout und immer auf der Suche nach Talenten. Michele berichtet ihren Eltern von Reisen: nach China, Großbritannien, Südamerika. Sie erwähnt Fotoshootings und Modeljobs. Später schickt Siad Fotos von Michele an Epstein. »Du wirst sie lieben«, schreibt er offenbar in einer Mail.
In den Epstein-Dokumenten gibt es keinen Hinweis, ob er und Michele sich am Ende tatsächlich trafen. Aber mit Siad hat sie mutmaßlich bis kurz vor ihrem Verschwinden Kontakt.
Die Polizei hat bis vor Kurzem wenig getan, um Michele zu finden. Es habe keinen Hinweis auf ein Verbrechen gegeben und deswegen habe man nicht aktiv nach ihr suchen dürfen. Für mich war das im ersten Moment schwer nachzuvollziehen, genauso wie für die Familie.
Wir haben viele Stunden mit Micheles Angehörigen gesprochen. Die Interviews waren für sie nicht leicht – aber sie haben sich trotzdem dazu entschieden. Sie hoffen, dass es jetzt endlich Aufklärung gibt, und sie endlich erfahren, was mit Michele passiert ist.
📌 Kaynak
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