Die Sagrada Família - eine Kirche, die fasziniert und spaltet

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Die Sagrada Família - eine Kirche, die fasziniert und spaltet

Seit mehr als 140 Jahren wird sie gebaut - und heute weiht Papst Leo XIV. den Hauptturm der Sagrada Família in Barcelona. Die Baustelle war ein Touristenmagnet - doch an einigen Superlativen gibt es auch Kritik. Von Sebastian Kisters. [ mehr ]

Säulen wie Bäume, ein Spektakel aus Licht und nun auch noch der höchste Kirchturm der Welt: Der Papst besucht heute eine Kirche der Superlative. Doch gerade deshalb wächst auch Kritik an der Sagrada Família.

Heute Abend wird Papst Leo XIV. den gerade fertiggestellten Hauptturm der Sagrada Família in Barcelona segnen. Mit 172,5 Metern überragt das begehbare Kreuz des sogenannten Jesus-Christus-Turms das Ulmer Münster, die bis dahin höchste Kirche der Welt.

Damit werde das Bauwerk noch mehr Touristenattraktion und noch weniger Ort zum Innehalten, klagen Kritiker. Sie stören sich vor allem an dem begehbaren Kreuz.

Carolina García-Estévez ist Professorin für Kunstgeschichte. Sie sagt: "Ein Kreuz hat eine hohe Symbolik. Ich glaube nicht, dass ein Aufzug dorthin mit Panoramablick über Barcelona dem gerecht wird." Ein begehbares Kreuz sei sicher nicht im Sinne des Architekten Antoni Gaudí gewesen.

Bei der Weihung des Turms stellt sich nun wieder die Frage, die Wissenschaftler wie auch Bewohner in Barcelona stets umtreibt: Ist diese Kirche wirklich noch nach dem Willen und den Plänen Gaudís gebaut, der auch "Architekt Gottes" genannt wird und der heute vor 100 Jahren starb?

Die Sagrada Familia prägt das Stadtbild Barcelonas - auch bei Nacht.

Am 7. Juni 1926 verlässt der Architekt am frühen Abend die Baustelle. Er lebt mittlerweile dort. Gaudí ist auf dem Weg in einen anderen Stadtteil, er will zum Beten in eine Kirche. Da erfasst ihn eine Straßenbahn und verletzt ihn schwer. Man hält Gaudí zunächst für einen Obdachlosen. Drei Tage später, am 10. Juni 1926, stirbt er.

1883 hatte Gaudí die Bauleitung an der Sagrada Família übernommen. "Besoffene Kunst" sei das, lästerten manche in der Stadt. Und immer mal wieder wurde diskutiert, ob der Meister noch bei Verstand sei.

Gaudí wollte Natur nicht abbilden, er wollte nach dem Vorbild der Natur konstruieren. Beim Bau der Sagrada Família dachte er an einen Wald, an ein lichtdurchflutetes Kronendach aus Stein. Er verabscheute rechte Winkel.

Seine Idee von Architektur prägt Barcelona bis heute. Vielerorts gibt es von ihm entworfene farbenfrohe Wohnhäuser oder auch den Park Güell, mit seinen geschwungenen Bänken, die mit bunten Keramikscherben verziert sind. Gaudí gilt heute als prominentester Vertreter des katalanischen Modernismus, einer Variante des Jugendstils.

Gaudí hat an vielen Stellen Barcelonas markante Spuren hinterlassen - auch der Park Güell trägt seine Handschrift.

Die Sagrada Família sollte sein Meisterstück werden. 43 Jahre arbeitete Gaudí daran, doch nur rund ein Fünftel seiner Pläne konnte er vor

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