Schloss Bellevue: Steinmeier zieht um
Der Bundespräsident verlässt sein Schloss: Was bleibt von der Würde seines Amtes im nagelneuen Gebäude? Unser Autor hat es vorab inspiziert.
Schloss Bellevue wird für acht Jahre renoviert, während der Bundespräsident in einem farbenfrohen Interimsbau residieren wird. Die Architektur von Sauerbruch Hutton bricht mit traditionellen Präsidialgewohnheiten und setzt auf Farben und Beweglichkeit. Das neue Amtsgebäude symbolisiert eine moderne, heitere Idee von Macht. Es bietet nicht nur grandiose Ausblicke, sondern auch Raum für künstlerische Freiheit. Der Bundespräsident verkörpert Würde und Machtlosigkeit zugleich, während das neue Gebäude eine eigenwillige Architektur präsentiert.
Klammheimlich, kaum einer hat’s gemerkt, ist er ausgezogen. Schloss Bellevue, das Zentrum der bundespräsidialen Macht, nur noch ein leeres Gehäuse. Geschirr und Bücher verpackt, Teppiche eingerollt und fortgeschafft, einzig die Kronleuchter recken unverdrossen ihre Elektrokerzen ins hoheitliche Ambiente. Selbst die beiden Kissenbilder von Gotthard Graubner, anthroposophenbunte Riesenformate, wurden schon ins Depot verbracht. Wo sie eben noch hingen, tritt jetzt der alte Anstrich zutage, dunkelrosa, Haarrisse im Putz.
Acht Jahre soll es so bleiben: das Staatsoberhaupt ohne Staatsoberhaus, ohne klassizistisches Gepränge und postaristokratische Erlauchtheit. Acht Jahre, in denen das Schloss gründlich, sehr gründlich um- und aufgerüstet wird, die Büro-, die Sicherheits-, die Energietechnik, alles, was man für 600 Millionen Euro sanieren und polieren und auf den allerjüngsten Stand bringen kann. Was aber ist in der Zwischenzeit? Wie steht er jetzt da, der Bundespräsident – noch nackter als ohnehin?
📌 Kaynak
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