Inklusionsprojekt: Musizieren nur mit Hilfe von Gedanken
In der inklusiven Band Saar nutzen die körperlich beeinträchtigten Mitglieder Tablets, um zu musizieren. Und seit Kurzem auch Hirnströme. Der Informatiker hinter der Idee hat große Pläne. Von Chris Ignatzi. [ mehr ]
In der inklusiven Band Saar nutzen die körperlich beeinträchtigten Mitglieder Tablets, um zu musizieren. Und seit Kurzem auch Hirnströme. Der Informatiker hinter der Idee hat große Pläne.
"Simply the Best" von Tina Turner erklingt aus den Lautsprecherboxen in einer Saarbrücker Turnhalle. Die Band, die live spielt, benutzt aber keine Instrumente. Gitarre, Bass und Keyboard spielen sie mit Tablet-Computern, die auf kleinen Tischen an ihren Rollstühlen liegen. Junge Menschen mit komplexen Behinderungen machen hier gemeinsam Musik. Sie begleiten eine Preisverleihung im Rahmen der Special Olympics, die im Saarland vom 15. Juni an stattfinden.
Nicht alle der jungen Musiker können Hände oder Finger bewegen. Um auch ihnen die Möglichkeit zu geben, mitzuspielen, hat der Informatiker Jonas Becker eine Software entwickelt, die Töne allein durch Gedanken erzeugen soll.
Einige Tage nach der Aufführung in der Turnhalle ist Becker im Proberaum der iBand-Saar - das "i" steht für inklusiv - an einer Förderschule in Homburg zu Gast. Er testet seine Erfindung mit Bandmitglied Ferdinand Bedau. Bedau ist schwerst mehrfachbehindert. Bewegen kann er nur seinen Kopf, an den Becker ein Gerät anlegt, das Hirnströme misst. Es ist eine Art Kopfhörer ohne Ohrenmuscheln.
Informatiker Jonas Becker legt iBand-Mitglied Ferdinand sein Instrument an. Das Gerät wandelt Hirnströme in Musik.
"Ich habe mich als Abschlussarbeit an der Berufsschule mit Hirnstrommessung beschäftigt", sagt Becker. "Dann kam mir die Idee, dass ich ein Programm entwickeln könnte, das es ermöglicht, mit Hilfe von Gedanken zu kommunizieren."
Da Becker selbst Musik macht, brachte einer seiner Lehrer ihn mit der iBand in Kontakt, die ihre Wurzeln als Projekt vor einigen Jahren an derselben Berufsschule hatte. 2014 zog die Band als AG an die Förderschule um, wo sie seitdem einmal pro Woche probt und regelmäßig Konzerte gibt.
Auf dem derzeitigen Entwicklungsstand kann das von Jonas Becker entwickelte Programm zwischen zwei Zuständen unterscheiden. Becker zeigt auf den Bildschirm seines Laptops, als das Gerät fertig verkabelt und angeschlossen ist: "Der grüne Balken steht für ja, der rote Balken für nein", erklärt er. "Diese beiden Zustände kann das Programm erkennen, je nachdem, woran der Proband denkt."
Damit das technisch sauber funktioniert, muss Becker Patient und Programm aufeinander abstimmen. Rund 200 Mal muss Ferdinand Bedau dazu an etwas Bestimmtes denken. In seinem Fall nicht an "ja oder nein", sondern an den Drachen Kokosnuss oder Benjamin Blümchen. "Das ist für ihn viel einfacher, weil es nicht so abs
📌 Kaynak
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