Antisemitismus im Netz: Anne-Frank-Bildungsstätte sieht gefährliche Entwicklung
Antisemitische Nachrichten in Kommentarspalten, Wehrmachtskitsch auf Instagram: Die Bildungsstätte Anne Frank warnt vor einer Flut von Antisemitismus in den sozialen Medien.
Bildungsstätten-Direktorin Deborah Schnabel: »Offen geschichtsrevisionistische Positionen sind auf dem Vormarsch«
Die sozialen Medien werden laut der Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, Deborah Schnabel, zunehmend mit Antisemitismus überschwemmt. »Welche Langzeitauswirkungen die Flut antisemitischer Codes in Social-Media-Kommentarspalten, Wehrmachtskitsch auf Instagram oder holocaustverharmlosende Posts auf das Geschichtsbild junger Menschen haben, ist noch nicht mal ansatzweise erforscht«, sagte Schnabel der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Zugleich verschiebe der Rechtsruck der vergangenen Jahre auch die Grenzen des Sagbaren mit Blick auf den Holocaust: »Schlussstrich-Rhetorik und offen geschichtsrevisionistische Positionen sind auf dem Vormarsch, auch in digitalen Räumen, in denen junge Menschen heute maßgeblich ihr Politik- und Geschichtsverständnis ausbilden.«
Dabei sei Antisemitismus für fast alle Ideologien anschlussfähig, so Schnabel. »Wir erleben aktuell, dass sowohl rechtsextreme als auch islamistische und linke Gruppen antisemitisch agieren, antisemitische Narrative und Codes aber zugleich in der sogenannten Mitte der Gesellschaft fest verankert sind.«
Schnabel äußerte sich anlässlich des diesjährigen Anne-Frank-Tags. Es beteiligen sich mehr als 126.000 Schülerinnen und Schüler aus 843 Schulen – das ist dem Zentrum zufolge ein Rekord. Den Aktionstag gegen Antisemitismus gibt es seit zehn Jahren.
Das Motto in diesem Jahr lautet »Geschichte erzählen«. »In unserer Bildungsarbeit, gerade mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, erleben wir nach wie vor, dass Anne Frank großes Identifikationspotenzial für junge Menschen hat«, so Schnabel. »Ihre Geschichte und ihr Tagebuch sind ein Türöffner für Gesprächsräume über den Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rassismus, aber auch über gegenwärtige Identitätsfragen und Diskriminierungserfahrungen heutiger Jugendlicher.«
Der Schulaktionstag findet jährlich am Geburtstag Anne Franks statt. Das jüdische Mädchen gehört zu den bekanntesten Holocaustopfern. Durch ihr im Versteck vor den Nazis geschriebenes Tagebuch wurde sie posthum weltberühmt. Anne Frank starb im Februar 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen im Alter von 15 Jahren an den Folgen der Lagerhaft.
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📌 Kaynak
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