Vince Staples: Ein Jimi Hendrix für den Hip-Hop
Ist die E-Gitarre das neue Ding im Rap? Der Kalifornier Vince Staples nutzt sie auf seinem wütenden Album »Cry Baby« als Waffe gegen Trump.
Die E-Gitarre erlebt ein Comeback im Rap-Genre, angeführt von Vince Staples' politischstem Album "Cry Baby". Staples reflektiert die Realitäten Schwarzer US-Amerikaner, kritisiert Rassismus und Polizeigewalt. Sein Sound ist unaufgeregt, introvertiert und geprägt von E-Gitarrenklängen. Die Verbindung von Rap und E-Gitarre könnte eine Renaissance des Genres einläuten und gesellschaftliche Wunden aufdecken. Staples könnte als neuer, rappender Jimi Hendrix gelten, der zwischen den Stühlen sitzt und unkonventionelle Musik mit gesellschaftskritischen Texten verbindet.
Vielleicht war es 1969, als die Gitarren zu weinen begannen. Die USA hingen in den Seilen, fünftes Jahr Vietnamkrieg, kaum verheilte Narben der Bürgerrechtsbewegung, Proteste und eine Generation, die sich fragte, woran sie noch glauben sollte. Antworten gab damals die E-Gitarre. Vor Zehntausenden ließ Jimi Hendrix sie in Woodstock schreien, zerren, ächzen und wummern. Von der eigenen Community als »weißer Rocker« verrufen, von weißen Hippies als schwarzer Exot verklärt, stimmte der Hin- und Hergerissene die US-amerikanische Nationalhymne an. Oder besser: Er zerlegte sie. Seine Töne klangen wie Flieger und Bomben. Zu Hendrix’ Füßen lag ein kleines Gerät. Ein Pedal, das den Sound der Gitarre veränderte und sie aufjaulen ließ, als würde sie selbst leiden. Es hieß Cry Baby.
Heute, während sich die USA abermals im Krisenmodus befinden, mehren sich die Anzeichen, dass die E-Gitarre ein Comeback erlebt. Nicht in ihrem natürlichen Habitat, der Rockmusik, wo sie niemals weg war, sondern gerade in einem Genre, das man weniger mit analogen Instrumenten in Verbindung bringt: dem Rap. Wo lange Zeit Bassdrums, klapperschlangenartige Hi-Hats und in den Wolken hängende Synthesizer dominierten, klingen immer öfter Schlagzeug, E-Bass und E-Gitarre durch. Neuestes Beispiel ist das aktuelle Album des Rappers Vince Staples aus Long Beach im US-Bundesstaat Kalifornien. Mit einer Rockband an der Seite hat er sein bislang politischstes Album aufgenommen – es heißt: Cry Baby.
Tick-Tick-Tick-Tick, zählt das Schlagzeug ein. Verzerrter Bass, Gitarre und undefinierbarer Noise folgen. Trotzdem ist Jimi Hendrix nicht die naheliegendste Fährte, um auf ihr Staples’ neues Werk zu erklären. Gitarren hin oder her, das heulende Baby, um das es erstmal geht, ziert zunächst einmal das Albumcover: Mit einer US-Flagge als Windel weint dort Donald Trump als blondgelockter Säugling. Mitleid gibt es keines, dafür ungeschönte Gesellschaftsanalysen. In Blackberry Marmalade, dem Eröffnungstrack, rezitiert Staples erst die simplen Freuden s
📌 Kaynak
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