Abschiebungen: Zwanzig in einer Zelle, von Kameras beobachtet – über Monate
Wo landen all die Abgeschobenen? Einige in einem Lager in Bulgarien. Sie leben dort unter Umständen, die hier undenkbar wären. Was passiert, wenn man dort vorbeigeht.
In Bulgarien werden abgeschobene Asylbewerber wie Häftlinge behandelt, monatelang in Zellen eingesperrt, um sie zur Rückkehr in ihre Herkunftsländer zu drängen. Die Bedingungen in der "Spezialunterkunft" in Ljubimez sind drastisch, mit Überwachungskameras, schlechtem Essen und wenig Privatsphäre. Trotzdem versuchen viele Insassen auszuharren, während die EU-Asylpolitik sich an die Ränder des Kontinents verschiebt. Prominente Fälle wie der des Journalisten Abdulrahman al-Khalidi werfen ein Licht auf die unmenschlichen Zustände und die politischen Hintergründe. Die Betroffenen kämpfen gegen die Haftbedingungen und für ihre Freiheit, während die EU-Staaten den Druck auf Asylbewerber erhöhen und die Abschiebungen vorantreiben.
Dieser Artikel stammt aus unserem Ressort X und ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 24/2026.
Auf Google Maps findet man die »Spezialunterkunft zur temporären Unterbringung von Ausländern« nicht. Man geht durch Ljubimez, ein bulgarisches Städtchen an der Grenze zur Türkei. Man überquert den Marktplatz, kommt an Grill-Restaurants vorbei und an Häuschen mit Weinreben. Vor einem sitzt eine Großmutter mit ihren Enkeln in einer Hollywoodschaukel und genießt die Abendsonne. Ein paar Meter weiter spielt ein Paar Tennis.
Ihre Schläge verhallen an langen, mit Stacheldraht bewehrten Mauern, an denen zahlreiche Kameras angebracht sind. Dazwischen ragen mehrere Wachtürme empor. Und hinter der Mauer steht ein zweistöckiger Betonbau, die Fenster vergittert. Das ist die »Spezialunterkunft«, die Google Maps nicht kennt. Man muss ein anderes Wort in die Suchleiste eingeben: »Lyubimets Prison«. Gefängnis.
📌 Kaynak
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