Mykorrhiza-Netzwerke: Wie Pilze unterirdisch unsere ganze Welt umspannen
Mykorrhiza-Pilze setzen sich auf Pflanzenwurzeln und breiten sich so immer weiter aus. Ihre Netzwerke sind so dicht und lang, dass man damit 750 Mal von der Erde zur Sonne käme.
110.000.000.000.000.000 Kilometer: So lang sind die unterirdischen Netzwerke der Mykorrhiza-Pilze zusammengenommen – mindestens. Sie umspannen die Erdböden auf der ganzen Welt und konnten nun erstmals in einer größeren Studie beleuchtet werden. Die beteiligten Forschenden berichten darüber im Fachblatt »Science« .
Demnach befinden sich in jedem Kubikzentimeter Boden im Schnitt wohl gut vier Meter dieser mikroskopisch dünnen Pilzfäden. Ein Kubikzentimeter entspricht ungefähr der Größenordnung eines Zuckerwürfels. Die Studie wird in Fachkreisen als bahnbrechend eingeschätzt, da sie erstmals zeigt, welche Ausmaße die Pilzverflechtungen haben.
Tatsächlich bilden die Mykorrhiza eine Symbiose mit etwa 70 Prozent aller Pflanzenarten. Deren Wurzeln sind mit den Pilzen verbunden und liefern ihnen wichtige Nährstoffe. Im Austausch erhalten auch die Pilze Nährstoffe aus den Wurzeln, mit deren Hilfe sie weiter wachsen können. Diese Verbindungen und Netzwerke bestehen seit etwa 475 Millionen Jahren.
Für die Studie hat das Team der Forschenden um Justin Stewart von der Freien Universität Amsterdam mithilfe von KI-Modellen und Daten aus mehr als 16.000 Bodenproben aus der ganzen Welt die erste globale Karte von Netzwerken der Mykorrhizapilze erstellt. Würde man die einzelnen Pilzfäden aneinanderreihen, könnte man 750 Mal die Distanz zwischen Erde und Sonne überwinden. »In nur einem Teelöffel Erde könnten bis zu 10 Meter Mykorrhiza-Netzwerke enthalten sein«, wurde Stewart zitiert.
Ohne die Pilze hätten es die mit ihnen verbundenen Pflanzen wohl deutlich schwerer: »Diese Netzwerke (...) vergrößern das Einzugsgebiet der Pflanzenwurzeln um das Hundertfache«, hieß es in der Analyse, aus der unter anderem »Wissenschaft.de« zitiert. Die Pilze lieferten demnach bis zu 80 Prozent des von der Pflanze benötigten Phosphors und rund 20 Prozent des Stickstoffs.
Gleichzeitig erfüllen die Pilze noch eine weitere Aufgabe: Ihre unterirdischen Stränge binden weltweit wohl rund eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff. »Man kann die Bedeutung dieser Pilze kaum überschätzen«, sagte Stewart dazu.
Besonders dicht sind die Netzwerke übrigens nicht etwa in Wäldern, wie man es womöglich erwarten würde. Stattdessen befinden sich die Mykorrhiza-Hotspots eher in Grasland- und Feuchtgebiet-Ökosystemen. Als Beispiele nannte Stewart Gebirgswiesen, die Everglades in Florida und die Sudd-Feuchtgebiete im Südsudan. Das liege den Forschenden zufolge zum einen daran, dass es bei Wiesen und Grasland in der Regel ein ausgedehntes Wurzelsystem gebe. Und zum anderen gehen fast alle Gräser eine Symbiose mit Myk
📌 Kaynak
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