Episches Schauspiel der Sachlichkeit zur ORF-Wahl

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Episches Schauspiel der Sachlichkeit zur ORF-Wahl

An die 16 Stunden brauchten die Stiftungsräte, um den ORF-General zu bestellen. Eine Demonstration der Sachlichkeit und Transparenz, wie sie neue EU-Gesetze verlangen, zur Absicherung gegen Beschwerden

An die 16 Stunden brauchten die Stiftungsräte, um den ORF-General zu bestellen. Eine Demonstration der Sachlichkeit und Transparenz, wie sie neue EU-Gesetze verlangen, zur Absicherung gegen Beschwerden

Der heikle, vielleicht gar gefährliche Weg zum neuen ORF-General Clemens Pig führte die 35 Stiftungsräte durch einen langen Tag in die tiefe Nacht. Durch gut zwölf Stunden Hearings mit langen Fragenkatalogen. Vorbei an Wut-Chihuahuas und Fußballplätzen. Durch Abstimmungen auf Stimmzetteln nach offen ausgesprochenen Begründungen für die Stimmabgabe.

Länger als fünfzehn Stunden brauchten die Stiftungsräte, bis wenige Minuten nach 1 Uhr früh jenes Ergebnis offiziell war, das ohnehin seit Wochen, ja Monaten, schon fixiert schien. Nur die Umsetzung, die Begründungen, die exakte Zahl der Stimmen der Stiftungsräte waren da noch nicht bekannt. Umso mehr die Parole: Nur nicht exakt entlang von Fraktionsgrenzen abstimmen, nach parteipolitischen "Freundeskreisen". Denn das neue EU-Medienfreiheitsgesetz verlangt, dass Rundfunkchefs nach sachlichen Kriterien in fairen, transparenten, nachvollziehbaren Verfahren ausgewählt werden. Parteipolitische Wünsche oder gar Vorgaben sind kein sachliches Kriterium.

Doch ÖVP und SPÖ hatten sich schon lange ausgemacht, wer 2026 welche Personen für welche Positionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nominieren darf, der laut Verfassungsgesetz und ORF-Gesetz und EU-Medienfreiheitsgesetz unabhängig zu sein hat. Und der Bundeskanzler hatte über Wochen mögliche Bewerberinnen und Bewerber um die Führung des ORF getroffen.

Zwei der stärksten Mitbewerber von Clemens Pig hatten das ORF-Zentrum längst verlassen, als sich die 35 Räte nach dem letzten von neun Hearings gegen 22.30 Uhr an ihren verstörenden neuen Abstimmungsprozess machen: Markus Breitenecker, zuletzt Vorstand des großen privaten Fernsehkonzerns ProSiebenSat1, und Johannes Larcher, Medienmanager aus Tirol mit internationaler Managementerfahrung von HBO Max über Hulu bis Storytel.

Breitenecker will auf den Berg zurückkommen, "wenn ich bestellt werde", sagt er. Damit ist nicht mehr zu rechnen. Kurz nach 1 Uhr nachts wird er mit vier Stimmen auf Platz drei des Generalscastings stehen. Der langjährige "Mister Privatfernsehen" mit einschlägiger Konzernerfahrung wird alle drei Neos-Stimmen bekommen und eine aus der ÖVP. Als Breitenecker kurz nach 19 Uhr ins Hearing geht, ballen sich tatsächlich dunkle Wolken über dem Wien-Panorama, das sich vom langen Balkon vor dem Stiftungsrat aufspannt von der Otto-Wagner-Kirche bis über die Schönbrunn zu den Ausläufern der Westkarpaten.

Die

📌 Kaynak

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