Andrei Markovits: »Fußball war für meine Freunde in Amerika so weit weg wie der Mond«
Der beliebteste Sport der Welt war in den USA lange ein Außenseiter. Der Soziologe Andrei Markovits erklärt, warum er heute angekommen ist – aber anders als in Europa.
Die Fußballweltmeisterschaft in den USA steht bevor, doch hat sich Amerika wirklich mit dem Fußballfieber infiziert? Der Sport hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, vor allem bei unter 30-Jährigen, die die englische Premier League begeistert. Dennoch ist Fußball in den USA noch nicht so präsent wie in Europa, obwohl die Entwicklung seit der WM 1994 deutlich vorangeschritten ist. Die Ursprünge des Fußball-Außenseiters in den USA reichen ins späte 19. Jahrhundert zurück, als sich Baseball als amerikanischer Nationalsport etablierte. Trotz Einwanderung aus fußballbegeisterten Regionen konnte der Sport lange Zeit nicht Fuß fassen, da er in ethnisch organisierten Ligen spielte und nicht in der allgemeinen amerikanischen Sportkultur verankert war. Trotzdem wächst die Beliebtheit des Fußballs in den USA, vor allem durch Stars wie David Beckham und Lionel Messi sowie die technologische Entwicklung, die den Sport zum Medienereignis macht.
DIE ZEIT: Herr Markovits, in diesen Tagen startet die Fußballweltmeisterschaft in den USA. Hat sich Amerika endlich mit dem Fußballfieber angesteckt?
Andrei Markovits: Heute wäre es undenkbar, dass Franz Beckenbauer in New York auf der Fifth Avenue spaziert – wie Ende der Siebziger, als er für den lokalen Klub Cosmos spielte – und keiner ihn erkennt. Ich erinnere mich an meine Anfangszeit als Professor an der University of Michigan, 1999. In Vorlesungen trugen Studierende oft Sporttrikots, Fußballtrikots gab es damals aber fast nie – höchstens mal eines von Real Madrid. Als ich 2024 in den Ruhestand ging, hatte sich das erheblich gewandelt. Inzwischen entdecke ich sogar Trikots von kleineren europäischen Vereinen. Selbst von Austria Wien war eins dabei (lacht). Bei unter 30-Jährigen ist Fußball wirklich ein Teil der amerikanischen Sportkultur geworden – vor allem die englische Premier League begeistert die Menschen.
📌 Kaynak
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