Peter Rosei wird 80: "Gute Kunst ist die, von der man nichts merkt"
Der Wiener Autor, Jurist und Essayist denkt seit über 50 Jahren über unsere Gesellschaft nach. Sein Ideal: "wenig Text, dieser dafür mehrfach codiert"
Der Wiener Autor, Jurist und Essayist denkt seit über 50 Jahren über unsere Gesellschaft nach. Sein Ideal: "wenig Text, dieser dafür mehrfach codiert"
Zuletzt entwarf Autor Peter Rosei ein Wimmelbild von uns allen. In Romanen wie Das große Töten (2009) erkundete er die Mentalität derer, die das Glücksversprechen des Spätkapitalismus beim Wort nehmen, um daraufhin Schiffbruch zu erleiden. Heute blickt der Schriftsteller auf die Literatur als Werkzeug: sein bevorzugtes Mittel zur Erkundung der Wirklichkeit. Rosei war Privatsekretär von Ernst Fuchs, aber auch schelmischer Bohemien an der Seite H.C. Artmanns.
STANDARD: Von Ihnen stammt der Satz: "Mein schriftstellerischer Ehrgeiz liegt im Bereitstellen von Modellen." Eine Unzahl solcher Modelle haben Sie schreibend verwirklicht: den heimischen Bürokratie-Roman. Das Vexierspiel mit der großen Erzählform. Das potenziell unabschließbare Gesellschaftspanorama. Den Text mit modernistischem Anspruch. Was wäre, mit Blick auf die unruhigen Zeiten, in denen wir leben, das aktuell brauchbarste Modell?
Rosei: Als ich als junger Autor begann, war mein Werkzeugkasten weitaus bescheidener als heute. Jeder Handwerker fängt erst einmal mit Hammer und Schraubenzieher an. Ich habe ein umfangreiches Lernprogramm verwirklicht, und allmählich bin ich zur Vorstellung einer erweiterten Poesie gelangt. Für den Bau von Modellen erweist es sich als zuträglich, Kenntnisse in Ökonomie, Politik oder Völkerkunde zu besitzen.
Rosei: Unter guter Kunst verstehe ich eine solche, von der man nichts merkt. So ähnlich verhält es sich auch mit dem Wissen, das man ansammelt, allein schon durch das viele Reisen.
STANDARD: Ihr leitendes Ideal wäre also das Erzielen von Leichtigkeit. Lässt sich mit der Vorstellung von Simplizität nicht einiges Schindluder treiben, gerade auch politisch?
Rosei: Ich würde nicht von Leichtigkeit sprechen, sondern von Erzählökonomie. Wenn jemand eine telefonbuchdicke Schwarte schreibt, muss er mir allerhand mitzuteilen haben. Immerhin beansprucht er viel von meiner Lebenszeit. Was sich sagen lässt, lässt sich klar sagen. Ich bin gegen alles Obergescheite. Am liebsten wäre mir wenig Text, dieser dafür mehrfach codiert.
STANDARD: Ihre Arbeit der letzten Jahrzehnte zeichnet sich durch die Nahbarkeit der Figuren aus. Sie beschreiben häufig Menschen, die sich auf der Höhe ihres Eigensinns wähnen, wobei sie allesamt krachend scheitern. Oft wird diesen armen Tröpfen ihr Unglück gar nicht recht bewusst. Die Verhältnisse sind mächtiger als die Menschen. Die Menschen ihrerseits stören die Ordnung der Dinge.
Rosei: Der Fre
📌 Kaynak
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