Digitale Souveränität: Wir lassen uns nicht von Oligarchen kaufen!
Big-Tech-Konzerne schlucken Start-ups und kommen so an Schlüsseltechnologien, die sie monopolisieren. Neue Geschäftsmodelle verhindern das. Ein Bericht von Erik Bärwaldt ( Souveränität , Wirtschaft )
Rolex ist der mit Abstand erfolgreichste und bekannteste Luxusuhrenhersteller der Schweiz(öffnet im neuen Fenster). Doch das Unternehmen ist – anders als seine Größe vermuten lässt – nicht börsennotiert, sondern eine Aktiengesellschaft, die vollständig von der Fondation Hans Wilsdorf kontrolliert wird(öffnet im neuen Fenster). Wilsdorf, der Gründer von Rolex, etablierte diese Stiftung bereits 1945(öffnet im neuen Fenster).
In seinem Testament, das ein detailliertes Regelwerk beinhaltet, legte der Firmengründer fest, dass die Rolex SA nach seinem Ableben vollständig in das Eigentum der Hans-Wilsdorf-Stiftung übergeht. Er verfügte dabei ein ewiges Verkaufs-, Aufteilungs- und Börsenverbot, damit die Unabhängigkeit des Uhrenherstellers gesichert bleibt. Außerdem ordnete er an, dass die Gewinne von Rolex zu wohltätigen Zwecken fast ausschließlich im Kanton Genf verwendet werden dürfen. Er legte sogar konkret fest, welchen Institutionen und einzelnen Personen eine Förderung zugute kommen sollte.
Mit diesen Vorgaben gelang es dem Rolex-Chef nicht nur, den Fortbestand der Uhrenmarke als eigenständiges Unternehmen über die Zeit seines Wirkens hinaus dauerhaft zu sichern. Er trug durch die regelmäßigen, nicht unerheblichen Zuwendungen auch maßgeblich zum allgemeinen Wohlstand des Kantons Genf bei.
Unter anderen Vorzeichen folgen dem Vorbild des gebürtigen Kulmbachers Wilsdorf gut 60 Jahre nach dessen Tod zunehmend auch Gründer europäischer IT-Unternehmen. Im Streben nach digitaler Souveränität haben sie erkannt, dass vor allem US-amerikanische Oligarchen mit ihren oft auf fragwürdige Weise verdienten Milliardenvermögen problemlos in der Lage und – wie viele Beispiele belegen – auch willens sind, kleinere, erfolgreiche Technologieunternehmen einfach aufzukaufen und anschließend in ihr Produktportfolio zu integrieren oder abzuwickeln.
Doch eine digitale Souveränität Europas ist unter Beteiligung von US-Unternehmen und deren Tochtergesellschaften hierzulande nicht realisierbar. Stattdessen birgt deren Präsenz stets die Gefahr, dass sich Abhängigkeiten erweitern und vertiefen und dass enorme Geldsummen in die USA zu wenigen Oligarchen und Anteilseignern abfließen, ohne dass lokale Wertschöpfung generiert wird. Hinzu kommt die Gefahr eines erheblichen Erpressungspotenzials. Ein Brain Drain junger Talente, die mit besseren Konditionen von US-Unternehmen abgeworben werden, ist in den betroffenen Volkswirtschaften Europas unter solchen Bedingungen ebenfalls zu erwarten(öffnet im neuen Fenster).
Daher versuchen kleinere Unternehmen, die als junge Start-ups bereits inn
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