Die unterschätzte Beziehung: Warum Freundschaften mehr Verbindlichkeit brauchen
Mit dem Erwachsenwerden treten Freundschaften oft in den Hintergrund. Doch sie sollten keine Beziehungen zweiter Klasse sein. Wie wir wieder sorgfältiger mit ihnen umgehen
Mit dem Erwachsenwerden treten Freundschaften oft in den Hintergrund. Doch sie sollten keine Beziehungen zweiter Klasse sein. Wie wir wieder sorgfältiger mit ihnen umgehen
In amerikanischen Sitcoms ist es immer ganz unkompliziert: Die besten Freunde leben in derselben Straße oder sogar im selben Wohnhaus, sie frühstücken täglich gemeinsam vor der Arbeit, können jederzeit eine Pause im Café machen, und die Wochenenden verbringen sie selbstverständlich in den erstaunlich geräumigen Wohnungen der anderen. Dort sitzt man dann zusammen vor dem Fernseher, bestellt Pizza, verliebt sich vielleicht ineinander und genießt das Leben.
Wächst man mit dieser Vorstellung von Freundschaft auf, ist das böse Erwachen mit spätestens 30 sicher: Das kann in der Realität doch gar nicht funktionieren? Denn während man in der Jugend und vielleicht noch in den Zwanzigern viel Zeit für seine Freundinnen und Freunde hat, ändert sich das mit dem tatsächlichen Erwachsenwerden drastisch. Plötzlich haben alle Jobs, romantische Beziehungen, familiäre Verpflichtungen, müssen regelmäßig ins Fitnessstudio gehen, Steuerformulare einreichen und den Kühlschrank reparieren. Einige Leute ziehen weg und dann kommen langsam Kinder ins Spiel.
Freundschaften werden in dieser Lebensphase scheinbar selbstverständlich in der Prioritätenliste nach unten verlagert. Das äußert sich vor allem auch in der Kommunikation. Konnte man früher jederzeit bei den engsten Freunden reinschneien, muss man sich nun teilweise Wochen im Voraus Termine ausmachen und darf dann zum Dinner mit irgendwelchen anderen Pärchen antanzen. Ab mittelgroßen Gruppen braucht es Abstimmungen auf Whatsapp, damit zumindest der Großteil bei einer Unternehmung dabei sein kann. Bei allen geht es ohnehin nicht: Urlaub, Familienbesuch, die Katze hat eine Zahn-OP, you name it.
Und dann wären da noch die kurzfristigen Absagen. Niemand sagt etwas, wenn man krank ist oder einen familiären Notfall hat. Aber wenn eine Stunde vor dem Treffen eine Nachricht kommt, dass man nach der Arbeit zu müde ist und mal einen Abend "Me-Time" braucht, ist das nicht so respektvoll. Selbstfürsorge ist wichtig, keine Frage. Es ist auch kein Geheimnis, dass wir alle müde und erschöpft davon sind, alles gleichzeitig schaffen zu wollen. Aber müssen wir dafür immer unsere Freundinnen und Freunde opfern?
Die Wiener Psychotherapeutin Franziska Holzheimer sieht darin Ressourcenkonflikte, die typischerweise im Erwachsenenalter auftreten: "Als Jugendliche und im frühen Erwachsenenalter sind Freundinnen und Freunde für viele die wichtigsten Bezugspersonen. Aber wenn sic
📌 Kaynak
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