Erst Pflicht, dann wieder nicht: Europas Unternehmen beim Klimaschutz im Blindflug
Wirtschaftlicher Druck und regulatorische Unsicherheit bremsen die Transformation, erklären Nachhaltigkeitsmanager namhafter Unternehmen
Wirtschaftlicher Druck und regulatorische Unsicherheit bremsen die Transformation, erklären Nachhaltigkeitsmanager namhafter Unternehmen
Europa hat in den vergangenen Jahren mit seiner Umwelt- und Klimapolitik einen Zickzackkurs eingeschlagen. Vorgaben wurden gemacht, neu verhandelt und teils wieder zurückgenommen. Noch immer ist in einigen Bereichen unklar, welche Regelungen in Zukunft für Unternehmen tatsächlich gelten – und welche doch nicht. Dieser Blindflug beim Thema Nachhaltigkeit gefährde die Resilienz vieler Betriebe, heißt es in einer neuen Studie der Managementberatung Horváth. Dafür interviewte diese die Nachhaltigkeitsmanager (CSOs) von über 300 europäischen Unternehmen, darunter 45 namhafte Betriebe aus Österreich.
Der Tenor: Der Rückenwind für Nachhaltigkeit habe spürbar nachgelassen. Wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Krisen, geringerer gesellschaftlicher Druck sowie eine schwer kalkulierbare Regulierung hätten den Fokus vieler Unternehmen zurück auf kurzfristige Ergebnisse verschoben, heißt es. Zwar würden viele Unternehmen heute deutlich umfassender zu ESG-Themen berichten, und über ein Drittel der Unternehmen rechne damit, in den kommenden Jahren weitere Stellen in dem Bereich zu schaffen. Gleichzeitig würden nur wenige Unternehmen ihr Geschäft bisher strategisch danach steuern. Damit würden Klimarisiken häufig ausgeblendet und mögliche Wettbewerbsvorteile verschlafen.
Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Berichtspflichten für Unternehmen, die die EU 2022 beschloss, doch 2025 im Omnibus-Verfahren schließlich wieder aufweichte. Ursprünglich als starkes Werkzeug für die Umstellung von Unternehmen gepriesen, verkleinerte die EU den Anwendungsbereich der Richtlinie deutlich. Demnach müssen nur noch Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitenden und über 450 Millionen Euro Umsatz einen Nachhaltigkeitsbericht abgeben. Zuvor wäre das für alle Unternehmen nötig gewesen, die zwei von drei Kriterien erfüllen: mehr als 250 Mitarbeitende, über 50 Millionen Euro Umsatz oder eine Bilanzsumme von über 25 Millionen Euro.
Mit dem Omnibus sei viel Unsicherheit entstanden, erst langsam lichte sich nun der Nebel um die neuen Berichtspflichten, erklärt Peter Sattler, Partner bei Horváth. Dabei seien die Regelungen für viele Unternehmen entscheidend. "Bei der Berichterstattung geht es um sehr viel mehr als um die Datenerfassung." So müssen Unternehmen dort nicht nur vergangene Eckdaten berichten, sondern auch ihre Ziele definieren und angeben, wie sie gedenken, diese umzusetzen. Wer öffentlich Ziele formuliere und diese später verfehle, verlie
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