Der Mythos vom Yoga aus der Vorzeit
Yoga zwischen Ideologie, Vermarktungsstrategien und Authentizität
Yoga zwischen Ideologie, Vermarktungsstrategien und Authentizität
Der 21. Juni ist der internationale Tag des Yoga. Im Gastblogbeitrag macht sich Dominik A. Haas, Südasienforscher am Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, zu diesem Anlass auf die Spuren des Ursprungs von Yoga.
Wir befinden uns in einer weit entfernten Vergangenheit, irgendwo im antiken Südasien, auf dem Gebiet des heutigen Indiens. Der Himmel ist käuflich. Der Vater eines jungen Brahmanen namens Naciketas hat eben ein aufwendiges Ritual durchführen lassen, um in ebendiesen zu gelangen. Dafür muss er nun seinen gesamten Besitz den Opferpriestern überlassen. Das schließt auch seinen Sohn Naciketas ein, denn er gehört – nach damaligem Verständnis – seinem Vater.
"Dem Tod geb’ ich dich!" antwortet der Vater zornig auf die Frage seines Sohnes, wem er denn gegeben werde, wenn nicht auch den Opferpriestern. Naciketas nimmt seinen Vater beim Wort und begibt sich ins Jenseits. Doch der Tod ist gerade verreist, und Naciketas muss drei Tage ohne Speis und Trank warten. Nach seiner Rückkehr stellt der Tod Naciketas zur Wiedergutmachung drei Wünsche frei. Zu diesem Zeitpunkt wusste der Tod noch nicht, dass er Naciketas sein größtes Geheimnis würde offenbaren müssen: Yoga.
Die Erzählung von Naciketas’ Reise ins Jenseits bildet den Auftakt der sogenannten Kaṭha-Upaniṣad. Die Kaṭha-Upaniṣad ist ein Sanskrit-Text, der zwischen ca. 300 v. Chr. und 200 n. Chr. in Südasien verfasst wurde und zu den ältesten Quellen gehört, die einen als "Yoga" bezeichneten Heilsweg lehren.Der Anfang der Naciketas-Erzählung wurde wortwörtlich aus einem älteren, vedischen Text (vedisch ist eine ältere Sprachform des Sanskrit) übernommen. Der Großteil der Kaṭha-Upaniṣad besteht aus einer bunten Mischung jüngeren Materials. Auch er wurde mehr kompiliert – oder, wie man heute vielleicht auch sagen könnte, zusammenkopiert – als verfasst. Dabei unterscheidet sich Yoga in der Kaṭha-Upaniṣad deutlich von dem, was wir heute damit assoziieren.
Das Sanskrit-Wort "Yoga" bedeutet unter anderem schlicht "Praktik" oder "Anwendung". Vor 2000 Jahren hatte Yoga noch nichts mit Körperübungen oder gar Wellness zu tun. Vielmehr gab es eine ganze Reihe an Praktiken, die die meditative Betrachtung und Verinnerlichung bestimmter Lehren und Wahrheiten erforderten. Asketische Bewegungen wie der Buddhismus, der im 5. Jahrhundert v. Chr. gegründet wurde, nahmen bei der Entwicklung dieser Praktiken eine Vorreiterrolle ein.
Im Zentrum des Yoga der Kaṭha-Upaniṣad steht die Selbsterkenntnis
📌 Kaynak
Bu haber XML kaynağından derlenmiştir. Tamamı için orijinal habere gidin.
Orijinal haberi oku →