Statistik als Propaganda: Bunte Grafiken für ein weißes Europa
Wie ein identitäres "Institut" mit selektiven Statistiken und dramatisierenden Visualisierungen Objektivität vortäuscht und rechtsextreme Narrative untermauert
Wie ein identitäres "Institut" mit selektiven Statistiken und dramatisierenden Visualisierungen Objektivität vortäuscht und rechtsextreme Narrative untermauert
Im Gastblogbeitrag schreiben die Statistikerin Sabrina Dorn und der Rechtsextremismusforscher Bernhard Weidinger, wie das von Martin Sellner initiierte "Institut für Remigration" mit irreführenden Datenvisualisierungen und verkürzten Interpretationen wissenschaftliche Seriosität suggeriert, um rechtsextreme Erzählungen über Migration, "Bevölkerungsaustausch" und eine angebliche "Islamisierung" Europas zu legitimieren.
Das "Institut" ist das neue Projekt des rechtsextremen Influencers Martin Sellner. Auch wenn der Name Wissenschaftlichkeit suggerieren soll, lassen die Protagonisten des Projekts wenig Zweifel daran, dass es sich dabei in erster Linie um eine Lobby- und Kampagnenorganisation handeln soll. Auf ihrer Website verschreibt sie sich dem "außerparlamentarischen Populismus" und bewirbt eine europäische Bürgerinitiative ("Save Europe Act"), die das identitäre Kernprojekt auf den Weg bringen soll: "Remigration".
Hinter diesem Etikett verbirgt sich das traditionelle Kernanliegen der extremen Rechten, die Herstellung größtmöglicher ethnischer Homogenität. Dazu soll, so Sellner in seinem Buch, die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit beendet werden, der öffentliche Raum für "deutsche Kultur" reserviert bleiben und, nicht zuletzt, rund ein Achtel der Wohnbevölkerung, in Österreich also etwa eine Million Menschen, aus dem Land verfrachtet oder vertrieben werden.
Angesichts dieser Dimensionen gilt es, ein Problem monströsen Ausmaßes zu konstruieren, das eine ebenso monströse Lösung nötig macht. Eben dazu dient Sellners "Institut". Noch bevor es physisch eröffnet wurde, wartet seine Website mit Visualisierungen von Daten auf, die vermeintliche Evidenz für "illegale Masseneinwanderung", "Bevölkerungsaustausch" und eine "Islamisierung" Europas zeigen sollen. Die pseudowissenschaftliche Grundtendenz ist dabei eindeutig: Seriöse Quellen werden in propagandistischen Begriffen interpretiert und Sachverhalte möglichst dramatisch dargestellt, indem auf Kontextualisierung mit anderen statistisch relevanten Bezugsgrößen verzichtet wird. Wie das funktioniert, sei hier erläutert.
Blickfang auf der Website ist eine animierte Grafik ("Invasion umkehren: Remigration starten"), in der Punkte für illegal Eingewanderte stehen sollen, die im Zeitverlauf die Fläche Europas bedecken und vollständig neu einfärben. Die Darstellung erinnert an Animationen zu Viren- oder Parasitenbefall. Durch Betätigen
📌 Kaynak
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