Ganz Wien hat Angst vor dem Pfandring. Ganz Wien? Nein!
Wien macht Pfandsammelnden das Leben schwer, aber zum Glück sind zwei Bezirke anders und nehmen die Sache nun per Kunstprojekt selbst in die Hand
Wien macht Pfandsammelnden das Leben schwer, aber zum Glück sind zwei Bezirke anders und nehmen die Sache nun per Kunstprojekt selbst in die Hand
Wien rühmt sich per Slogan anders zu sein. Bunt, weltoffen, divers, sozial. Doch das eigenwillige "Gegen den Strom"-Image, mit dem die Stadt immer so gerne kokettierte, hat Schrammen bekommen, die soziale Wärme kühlt spürbar ab. Stichwort Stadtmöblierung etwa. Die entwickelt sich immer mehr zu einer stillen Kunstform der Obdachlosenabwehr.
Jüngstes Anschauungsbeispiel: der Umgang mit dem Thema Pfandflaschen und -dosen. Während in deutschen Großstädten wie Berlin oder Düsseldorf das Pfandflaschensammlen schon lange Tradition hat, und Menschen bereitwillig ihre leeren pfandpflichtigen Getränkeverpackungen spendieren, indem sie diese in sogenannten Pfandringen und ähnlichen, an und um die Mistkübel angebrachten Vorrichtungen deponieren, müssen Pfandsammelnde in Wien erst tief im Müll wühlen. Denn: Wer Pfandflaschen fürs Sammelvolk freundlich neben den Mistkübel stellt, gilt hierzulande nicht als sozial, sondern als Verursacher einer Verwaltungsübertretung.
Linz, Salzburg, Graz und Innsbruck testen nach deutschem Vorbild Sammelringe und Co. Die in der Bundeshauptstadt zuständige Magistratsabteilung (MA) 48 hält diese jedoch optisch und hygienisch unzumutbar. Also lieber Pfandbedürftige demütigen und Gefahr laufen lassen, sich bei der Suche in den Tonnen zu verletzen, als das Stadtbild zu stören.
Doch Klein-Berlin aka Neubau und Josefstadt beweisen nun, dass man auch in Wien anders kann: Die Bezirke haben neuerdings auf der Lerchenfelder Straße öffentliche Pfandsammelstellen als künstlerische Intervention in Form von Kellnerfiguren aufgestellt. Die wahrscheinlich zeitgemäßeste Form der Gastfreundschaft: Wer sich schon keinen Kaffee leisten kann, bekommt wenigstens eine Pfandflasche gratis. Das würde auch in den anderen Bezirken gut schmecken. (Birgit Wittstock, 18.6.2026)
Wien will sie nicht – welche Erfahrungen machen andere Städte mit "Pfandringen"?
📌 Kaynak
Bu haber XML kaynağından derlenmiştir. Tamamı için orijinal habere gidin.
Orijinal haberi oku →