Belgien muss erstmals Opfer von Kolonialverbrechen entschädigen
Bis in die 1950er-Jahre entrissen belgische Kolonialisten im Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo Kinder ihren Müttern. Jetzt muss Belgien zum ersten Mal Opfer kolonialer Gewalt entschädigen. Von M. Krasenbrink. [ mehr ]
Bis in die 1950er-Jahre entrissen belgische Kolonialisten im Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo Kinder ihren Müttern. Jetzt muss Belgien zum ersten Mal Opfer kolonialer Gewalt entschädigen.
Léa Tavares musste im Alter von zwei Jahren ins Kinderheim, obwohl ihre Eltern damals noch lebten. Eines ihrer wenigen Kinderfotos zeigt sie in dem Heim mit einer Gruppe von kleinen Mädchen, barfuß, im weißen Kleid, neben einer Nonne.
Belgische Kolonialisten hatten die Kinder ihren Familien entrissen und in eine katholische Missionsstation in der zentralkongolesischen Region Kasai gebracht. Bis Anfang der 1960er-Jahre wurden in belgischen Kolonien Tausende Kinder in Heime und Internate entführt, weil ihre Väter weiße Europäer waren. Aus Sicht der Kolonialisten hätte es diese Kinder nicht geben dürfen.
Rund 70 Jahre später hat ein belgisches Gericht fünf betroffenen Frauen eine Entschädigung zugesprochen. Was Tavares und vier ihrer Freundinnen passiert ist, gilt offiziell als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Mit vier anderen Frauen erstritt Léa Tavares eine Entschädigung von dem belgischen Staat dafür, dass sie ihrer Mutter weggenommen worden war.
"Sie haben mein Leben zerstört. Ich bin für meine Mutter zu einer Fremden geworden", sagt Léa Tavares. Heute lebt sie in Brüssel und lädt regelmäßig Medienvertreter in ihre Wohnung ein, um zu erzählen, was die belgische Kolonialmacht ihr angetan hat.
Sechs Jahre lang stritten sie und ihre vier Freundinnen in einem Zivilverfahren gegen den belgischen Staat. Im Dezember 2024 bekamen sie erstmals Recht. Ein Gericht sprach den fünf Frauen je 50.000 Euro Entschädigung zu. Am 22. Mai dieses Jahres bestätigte Belgiens oberstes Gericht das Urteil im Berufungsverfahren. Die Entscheidung gilt ausschließlich für Tavares und ihre Mitstreiterinnen.
Das Gericht habe dennoch ein historisches Urteil gefällt, sagt Michèle Hirsch. Sie vertritt die Frauen seit Jahren vor Gericht. Der belgische Staat habe eine rassistische Politik betrieben, sagt die Anwältin. "Und die Verantwortlichen des belgischen Staates haben sich dieser Verbrechen schuldig gemacht." Zum ersten Mal überhaupt müsse nun ein europäischer Staat Opfer von kolonialer Gewalt entschädigen, so Hirsch.
In einer großen, schlossartigen Anlage kurz vor der Stadtgrenze Brüssels befindet sich das AfricaMuseum. Vor rund 130 Jahren stellte der belgische König im Park der Anlage Menschen aus dem Kongo aus - in sogenannten Völkerschauen. Die Sammlung des Museums umfasst noch heute Millionen von Objekten aus früheren belgischen Kolonien.
Zwischen 1885 und 1960 herrs
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