Bablers Warenkorb für Lebensmittel: Wie Semmel und Mohnflesserl zur Steuerfalle werden

📰 Gündem 📰 Austria 🕐 2 saat önce
Bablers Warenkorb für Lebensmittel: Wie Semmel und Mohnflesserl zur Steuerfalle werden

Im Juli sinkt die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Nahrungsmittel. Der Fettgehalt in Brot und Semmeln wird zum Prüfstein für Finanzexperten. Riskiert die Regierung durch Körnerzählen ein neues Bäckersterben?

Im Juli sinkt die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Nahrungsmittel. Der Fettgehalt in Brot und Semmeln wird zum Prüfstein für Finanzexperten. Riskiert die Regierung durch Körnerzählen ein neues Bäckersterben?

Das Mohnflesserl wird zum Härtetest für Finanzexperten und ein lohnendes Geschäft für Analytiker. Mohn ist eine ölreiche Saat – was Bäckern zum Verhängnis werden könnte. Ab Juli halbiert sich die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel. Gradmesser ist der Gehalt an Fett und Zucker: Enthalten Brot und Gebäck mehr als fünf Prozent Fett in der Trockenmasse, sind zehn Prozent zu versteuern. Bei weniger Fett sinkt der Satz auf 4,9 Prozent.

Die Grenze zur Straftat ist hauchdünn. Mohn neigt wie viele Rohstoffe zu schwankendem Fettgehalt. Wie viele Körner ein Weckerl verfeinern, variiert und hängt nicht zuletzt vom Zeitpunkt des Bestreuens ab. Einen verlässlichen Einblick in seine inneren Werte gibt allein ein Labor.

"Wir können künftig entscheiden, ob wir lieber Kunden oder den Finanzminister betrügen", gibt Josef Schrott im Gespräch mit dem STANDARD zu bedenken. Letzteres wird teuer. Der Innungsmeister der österreichischen Bäcker versucht, Licht ins Dunkle der neuen Regeln zu bringen. "Es ist fünf vor zwölf, aber wir haben noch immer keine Klarheit."

Handsemmeln enthalten meist mehr Fett als industriell gefertigte, was sie steuerlich angreifbar macht. Wer bei Laugenstangerln und Kipferln nicht mit Butter geizt, sie mit Nüssen und Honig aufwertet oder gar mit Käse und Speck überbäckt, rutscht ebenso in die höhere Steuerstufe. Zur Erbsenzählerei wird der Fettgehalt auch bei Kornspitz mit Sesam, Kürbis- und Sonnenblumenkernen.

Eine pauschale Beurteilung gibt es nicht. Um kein Finanzstrafverfahren zu riskieren, müsste seine Branche jede Charge extern prüfen lassen, was tausend Euro und viel Zeit koste, erläutert Schrott, der sich für seinen eigenen Betrieb Nachtschichten verordnet, um die Auflagen fristgerecht zu erfüllen. "Wer kauft drei Tage alte Mohnflesserl?" Abgesehen davon, dass tägliche Analysen ihren Preis vervielfachten.

Der Fettgehalt wird über das Weibull-Stoldt-Verfahren ermittelt – eine für kleine Betriebe kostspieligere Methode als Nährwertangaben, die die Behörden als Grundlage der steuerlichen Abgrenzung nicht anerkennen.

Bei den Lebensmittelherstellern brodelt es. Die Änderung des Umsatzsteuergesetzes wurde drei Wochen vor Inkrafttreten veröffentlicht – aus ihrer Sicht zu spät, um sich darauf vorzubereiten. Ein Konvolut an Detailfragen flutete das Finanzministerium, das seitenweise Auslegungshilfen veröffentlichte, die aber vor Sankti

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