Die Pest war vor 5500 Jahren tödlicher als gedacht
In Toten aus Sibirien fanden Genetiker Anzeichen des ältesten bekannten Pestausbruchs. Kinder starben besonders häufig an schweren Infektionen
In Toten aus Sibirien fanden Genetiker Anzeichen des ältesten bekannten Pestausbruchs. Kinder starben besonders häufig an schweren Infektionen
Der Baikalsee ist nicht nur der tiefste, sondern auch der älteste Süßwassersee der Erde. Er existierte bereits vor 25 Millionen Jahren, an seinen Ufern wanderten schon in der Prähistorie Menschen und profitierten von Wasser und Fischen. Vom sibirischen See fließt ein großer Fluss ab, die Angara, die steinzeitliche Gräber geöffnet hat: Entlang des Gewässers befinden sich mehrere "Friedhöfe", und einzelne Bestattungen liegen mittlerweile unter der Wasseroberfläche.
Die Gräber wurden bereits im 20. Jahrhundert entdeckt und haben bei Experten viele Fragen aufgeworfen. "Die ungewöhnlich hohe Zahl an Kindern und der kurze Zeitraum haben ein echtes Rätsel dargestellt, das wir seit den 1990er-Jahren versuchen zu lösen", sagt der Archäologe Andrzej Weber von der University of Alberta in Kanada, der das Baikal Archaeology Project leitet. Gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam hat er nun eine Antwort gefunden: Der Erreger der Pest wurde in den Zähnen etlicher Verstorbener nachgewiesen.
Die Seuche, die viele eher mit dem Mittelalter oder vielleicht noch mit der Antike verbinden, trat bereits in der Steinzeit auf. Allerdings schien es zwei große Unterschiede zu geben. Bei den bislang ältesten Stämmen des Bakteriums Yersinia pestis, die rund 5300 Jahre zurückreichen, fehlten jene typischen Sequenzen, die der späteren Beulenpest die rasche Verbreitung über Flöhe und Nagetiere ermöglichten. Vielleicht war eine Infektion mit diesem Erreger also weniger dramatisch als in späteren Zeiten, sondern hatte einen eher milden Verlauf, so die Überlegung. Noch dazu war fraglich, ob die Pest Jäger-Sammler-Gemeinschaften betraf oder ob das Substrat für gegenseitige Ansteckungen eher durch den Erfolgszug der Landwirtschaft und in bevölkerungsreichen Städten gegeben war.
Die neue Studie zu den Gräbern in der Baikalregion versetzt diesen Überlegungen einen Dämpfer. Wie Weber mit renommierten Leitautoren, den Genetikern Eske Willerslev und Martin Sikora von der Universität Kopenhagen, im Fachjournal Nature berichtet, analysierte das Team die DNA von 46 Toten aus vier Gräberfeldern. Sie lebten vor bis zu 5500 Jahren in kleinen, relativ mobilen Wildbeutergruppen im Südosten Sibiriens. In 18 Individuen wiesen die Forschenden Erbgut von Pestbakterien nach, also in rund 40 Prozent der Verstorbenen. Das sei ein höherer Prozentsatz als in manch einer mittelalterlichen Pestgrube, heißt es in einer Aussendung der Uni Kopenhagen. Damit gela
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