US-Notenbank hält Leitzinsen wie erwartet unverändert
Die Zinsspanne bleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent – und damit seit vergangenem Dezember unverändert. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh kündigte Reformen an
Die Zinsspanne bleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent – und damit seit vergangenem Dezember unverändert. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh kündigte Reformen an
Washington – Wegen der Energiekrise und Inflationssorgen infolge des Iran-Kriegs rührt die US-Notenbank Federal Reserve abermals den Leitzins nicht an. Der Zentralbankrat stimmte am Mittwoch einstimmig dafür, die Spanne zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent zu halten. Nicht einmal der neue Fed-Chef Kevin Warsh wollte in seiner ersten Sitzung die von US-Präsident Donald Trump geforderten Zinssenkungen durchsetzen – stattdessen kündigte er weitreichende Reformen an.
Unter anderem solle überprüft werden, wie genau die Fed künftig kommuniziert. Ein Vorgeschmack dürfte die deutlich zusammengestrichene Fed-Stellungnahme sein, die in der Vergangenheit noch mehrere Seiten umfasste. Auch Pressekonferenzen und die vierteljährlichen Projektionen sollen auf den Prüfstand kommen - letztere sind Warsh seit langem ein Dorn im Auge. Er habe zwar seine Kollegen dazu "ermuntert", weiterhin ihre Einschätzungen abzugeben, sagte er auf einer Pressekonferenz. Doch er selbst habe nicht teilgenommen.
Seinen Auftritt vor Pressevertretern nahm er zum Anlass, die bisherigen Datenerhebungsmethoden deutlich zu kritisieren. "Die meisten Daten, die Zentralbanker und andere Regierungsbeamte in den Vereinigten Staaten verwenden, stammen aus altmodischen Umfragemethoden", sagte Warsh. Er sei überzeugt, dass es im Privatsektor "viele neue Datenquellen" gebe.
Noch im März rechnete niemand mit einer strafferen Geldpolitik. Angesichts der aktuellen Inflation erwarten nun 9 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Unter diesen können sich sechs eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Acht weitere Mitglieder rechnen unterdessen mit einer Zinspause für 2026. Nur ein einziges Mitglied erwartet einen Zinsschritt nach unten.
"Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung ist in Anbetracht der Projektionen und des Wortlauts während der Pressekonferenz wahrscheinlicher geworden, allerdings ist diese auch nicht in Stein gemeißelt", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank.
Zudem rechnen die Notenbanker für das laufende Jahr mit einer deutlich höheren Inflation als bisher. Für 2026 erwartet die Zentralbank mittlerweile eine Teuerungsrate von 3,6 Prozent – noch im März, kurz nach dem Beginn des Iran-Kriegs, waren die Experten von 2,7 Prozent ausgegangen. Die Inflation dürfte im kommenden Jahr auf 2,3 Prozent abflauen, was 0,1 Prozentpunkte mehr wäre als bisher.
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