Rebellion oder Laster - Was die Gen Z unter Spaßgetränk versteht
Hedonismus statt Hydration lautet das Credo bei den Jungen, wenn sie Limo, Eistee und Co. trinken. Es sagt aber auch viel über die gesellschaftliche Lage aus.
Hedonismus statt Hydration lautet das Credo bei den Jungen, wenn sie Limo, Eistee und Co. trinken. Es sagt aber auch viel über die gesellschaftliche Lage aus
Klack und zisch! Es gibt für mich kaum ein schöneres Geräusch als das Öffnen einer Dose Spezi. Es ist wie ein erleichtertes Aufatmen, der Stress lässt nach, entweicht und macht Platz für Entspannung. Doch der akustische Reiz ist nur eine Ouvertüre für den prickelnd-süßen Genuss, der Gaumen und Kehle erfasst. Am besten schmeckt die eiskalte Cola- Orangenlimonade nach getaner Hausarbeit oder in einer Pause im Büroalltag – als kleine Belohnung im Alltag quasi. Spezi ist mein Spaßgetränk, um den Begriff zu verwenden, den die Gen Z dafür erfunden hat.
Es handelt sich um alkoholfreie, süße, oft kohlensäurehaltige Getränke, die nicht als Durstlöscher fungieren, sondern rein hedonistische Zwecke erfüllen. Sie heben Stimmung und Motivation gleichermaßen. Natürlich wurden Limo, Eistee, Capri-Sonne oder Energydrinks schon von vorangegangenen Generationen geschätzt, aber dass die Jungen diese Art von Getränken gerade zelebrieren, kann auch als Zeichen der Zeit gelesen werden.
Kriege, Klimakrise und schwächelnde Wirtschaft – die aktuelle Weltlage präsentiert sich nicht gerade rosig. Wenn es schon auf gesamtgesellschaftlicher Ebene trist aussieht, erscheint es nur logisch, dass man sich im Kleinen ein bisschen Freude und Perspektive schafft – und sei es nur mit einem flüssigen Zuckerschub. Klack und zisch!
Es geht aber noch weiter. Das Spaßgetränk kann auch als Symbol gegen Selbstoptimierung und Leistungsdruck gesehen werden. Beruflich wird voller Einsatz gefordert, gesunde Ernährung wie regelmäßig Sport gehören selbstverständlich auch in den Alltag integriert und dabei sollen wir aber bitte auch noch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen pflegen. Das klingt vor allem nach viel Arbeit und wenig Genuss. Sich ein Spaßgetränk zu gönnen, ist ein Akt der Rebellion gegen die Anforderungen und Erwartungen der modernen Gesellschaft.
Cola und Co. sind ungesund, das ist wohl allen klar. Aber gerade in der Unvernunft liegt der Reiz. Das zeigt sich auch daran, wie Cola Light von der englischsprachigen Jugend auf Social Media gerne genannt wird: Fridge Cigarette. Die Zigarette aus dem Kühlschrank ist ein kleines Laster (auch wenn kein echter Zucker enthalten ist), das zumindest kurzfristig Druck abbaut. Und besser als echte Glimmstängel oder Alkohol ist das Spaßgetränk allemal. Darauf gleich ein Schluck Spezi. Prost! (Michael Steingruber, 18.6.2026)
Soda-Zitron: Ein Loblied auf das wohl österreichischste aller Getränk
📌 Kaynak
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