Nach Straßenprotesten: Taliban verbieten Regierungsbeamten Smartphone-Nutzung
Das Smartphone-Verbot soll nur für Regierungsbeamte gelten, wird aber in Teilen Afghanistans sehr unterschiedlich ausgelegt. ( Politik , Smartphone )
Das Taliban-Regime in Afghanistan verbietet Regierungsbeamten die Nutzung von Smartphones. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet(öffnet im neuen Fenster), geht die Maßnahme auf eine Anweisung von Militärgerichten der Taliban zurück, die die Zeitung einsehen konnte.
Den Angaben zufolge untersagt die Anordnung "hochrangigen und niederrangigen Funktionären, einfachen Mudschaheddin sowie dem Dienstpersonal" die Nutzung von Smartphones. Ein vom Guardian eingebettetes Video(öffnet im neuen Fenster) soll zudem zeigen, wie ein Funktionär der Taliban die Anordnung von seinem Handy abliest, während eine andere Person Smartphones zerstört.
Wer ohne Erlaubnis ein Mobiltelefon benutze, müsse neben der Zerstörung seines Geräts mit rechtlichen und in der Scharia vorgesehenen Strafen rechnen, heißt es weiter. Ausnahmen von dem Verbot sollen nur mit einer schriftlichen Verfügung des obersten Führers der Taliban, Hibatullah Achundsada, möglich sein.
Von Quellen aus Afghanistan erfuhr der Guardian, dass das Verbot eher willkürlich umgesetzt werde. Während demnach in einigen Gebieten nur Regierungsbeamte betroffen sind, sollen in anderen Städten und Provinzen auch Zivilisten, medizinisches Personal, Lehrkräfte und Schüler ihre Mobiltelefone zerstören müssen. Die Entscheidungen träfen Einzelpersonen vor Ort, heißt es weiter.
Als Auslöser für das Verbot sehen Analysten Straßenproteste, die am 9. Juni 2026 in der afghanischen Stadt Herat ausbrachen, nachdem die Taliban dort Frauen und Mädchen wegen des unvorschriftsmäßigen Tragens des Hidschabs festgenommen hatten.
Im Verlauf der Proteste wurden Schüsse in eine Menschenmenge abgegeben dabei mindestens zwei Personen getötet. Nachdem das Regime die Ereignisse zunächst abstritt, tauchten Videos der Proteste auf und belegten das Gegenteil.
Die Taliban drängten allerdings schon vor den Protesten auf ein Smartphoneverbot. Neben der Befürchtung, dass Menschen Zeit am Smartphone verbringen, anstatt zu arbeiten, wurden auch Informationslecks als Begründung genannt. So würden Regierungsbeamte dazu neigen, Dokumente zu fotografieren und Besprechungen aufzuzeichnen, die an die Öffentlichkeit gelangen könnten, bevor der oberste Taliban-Führer diese abgesegnet habe.
Hauptgrund dürfte aber sein, dass Videos des Staatsterrors nicht das Land verlassen bzw. verbreitet werden sollen. Aus diesem Grund soll auch die vorübergehende Abschaltung des Internets in Afghanistan im September 2025 erfolgt sein.
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