»Das glückliche Schicksal« von Matthias Nawrat: Reicht es, wenn ein Roman bedrückend ist?

📌 Diğer 📰 Zeit Online 🕐 4 gün önce
»Das glückliche Schicksal« von Matthias Nawrat: Reicht es, wenn ein Roman bedrückend ist?

Der Schriftsteller Matthias Nawrat besucht in seinem Roman »Das glückliche Schicksal« eine dunkle Epoche der polnischen Geschichte. Das hat seine Tücken.

Matthias Nawrats neuer Roman "Das glückliche Schicksal" entführt die Leser in eine düstere Welt voller politischer Wirren und persönlicher Schicksale. Die Geschichte um die Soziologiestudentin Wanda und den geheimnisvollen Kybernetiker Mrugalski bietet tiefe Einblicke in die Vergangenheit Polens. Doch trotz literarischer Geschicklichkeit verliert sich Nawrat in erschöpfenden Rückblenden, die den Leser verwirren und distanzieren. Die Figuren bleiben unnahbar, das Innenleben wirkt simpel, und die politischen Verhältnisse überlagern oft die eigentliche Handlung. Trotz einiger poetischer Momente hätte Nawrat dem menschlichen Aspekt mehr Raum geben sollen, um aus seinem Roman ein Meisterwerk zu machen.

Der neue Roman von Matthias Nawrat heißt Das glückliche Schicksal, und kein einziger Mensch in ihm ist glücklich. Nawrat siedelt seine Figuren unter einem Handlungsbogen an, der von den Gräueln der sowjetischen Gulags über die Nachkriegsjahre in Polen bis ins Krakau der frühen Achtzigerjahre reicht – einer Zeit, in der in Polen das Kriegsrecht ausgerufen wurde, um die Solidarność-Bewegung zu unterdrücken. Mehr noch als eine fleißige Recherche – Nawrat hat zweifellos seinen Solschenizyn und Schalamow gelesen – erfordert diese historische Kulisse eine literarische Geschicklichkeit, die im Schnittmuster der politischen Wirren menschliche Schicksale derart nachzeichnet, dass das Individuelle einen stärkeren und nachhaltigeren Eindruck hinterlässt als das Politische. Hier ist das aber nur zu Beginn des Romans der Fall.

📌 Kaynak

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