Connection Maxxing: Warum uns KI-Effizienz menschliche Nähe kostet
Einfacher, schneller, reibungsloser: Die Entwicklungen der Tech-Industrie sind auf Bequemlichkeit ausgerichtet. Sie wollen uns im Alltag und in der Freizeit alles abnehmen. Doch dabei geht etwas verloren, findet unsere Kolumnistin. weiterlesen auf t3n.de
Einfacher, schneller, reibungsloser: Die Entwicklungen der Tech-Industrie sind auf Bequemlichkeit ausgerichtet. Sie wollen uns im Alltag und in der Freizeit alles abnehmen. Doch dabei geht etwas verloren, findet unsere Kolumnistin.
Tech-Konzerne wollen unseren Alltag effizient machen, da ist kein Platz für Zwischenmenschliches. (Foto: Pra Chid/Shutterstock.com)
Wir schreiben das Jahr 2003. Ich verbringe die Zeit nach meinem Abi in Guatemala. Es ist meine erste und letzte große Reise ohne Technik. Kein Laptop, kein Handy. Wenn ich durch das Land fahre, kritzelt mir eine Freundin die Busroute samt Umstiegen auf einen Zettel. Auf langen Busfahrten starre ich aus dem Fenster und höre eine zerkratzte Portishead-CD. Ich verfahre mich, frage mich durch, verbringe Stunden mit Warten, lerne Menschen kennen, erlebe Abenteuer und komme am Ende doch immer irgendwie an.
23 Jahre später blicke ich mit gemischten Gefühlen auf diese Reise zurück. Einerseits: Wie mühsam war das alles. Andererseits: Wie spontan, abenteuerlich und wild. Heute buche ich Reisen bequem vom Sofa aus. Ich studiere Bewertungen, vergleiche Preise, plane Routen bis ins Detail und checke online ein. Vor Ort habe ich Ride-Sharing, eSIMs und Übersetzungs-Apps. Wenn ich nicht möchte, muss ich mit niemandem sprechen.
Geht es nach den Tech-Konzernen, wird unsere Zukunft noch reibungsloser. Bald übernehmen KI-Agenten Buchung, Planung und Koordination. Unsere Aufgabe reduziert sich dann im Grunde darauf, dafür zu sorgen, dass wir unsere träge Körpermasse zur richtigen Zeit an den richtigen Ort bewegen.
Julia Kloiber arbeitet als Mitgründerin der feministischen Organisation Superrr Lab an gerechten und inklusiven digitalen Zukünften. Für die gedruckte Ausgabe von Technology Review schreibt sie regelmäßig eine Kolumne. (Foto: Oliver Ajkovic)
Glaubt man der amerikanischen Schriftstellerin Kathryn Jezer-Morton, dann ist es aber genau die Reibung, die uns zu Momenten verhilft, in denen wir Mensch sein können. Der Begriff, den sie dafür erfunden hat, heißt „Friction Maxxing“. Es geht darum, Reibung zu maximieren. Sie schreibt: Technologiekonzerne sind äußerst erfolgreich darin, uns das Leben selbst als lästig erscheinen zu lassen, als etwas, aus dem wir uns fortwährend zurückziehen sollten: in digitale, weich gepolsterte Räume aus Vorhersagealgorithmen und Ein-Klick-Befehlen. Lesen ist langweilig. Gespräche sind unangenehm. Bewegung ist anstrengend. Denken ist mühsam. Mit Fremden zu interagieren, ist beängstigend. All das sind Reibungen, die wir heute mühelos eliminieren können und es auch tun. Wir bestel
📌 Kaynak
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