60 Millionen Sterne auf einem Bild: Euclids neuer Blick auf die Milchstraße
Ein neues Teleskop liefert bislang unerreichte Einblicke in unsere Heimatgalaxie. Die gigantische Datenmenge offenbart Details, die selbst etablierte Observatorien vor Herausforderungen stellen würden. Die Jagd nach neuen Welten erreicht damit eine neue Stufe. weiterlesen auf t3n.de
Ein neues Teleskop liefert bislang unerreichte Einblicke in unsere Heimatgalaxie. Die gigantische Datenmenge offenbart Details, die selbst etablierte Observatorien vor Herausforderungen stellen würden. Die Jagd nach neuen Welten erreicht damit eine neue Stufe.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat ein beeindruckendes neues Bild der Milchstraße veröffentlicht. Das Weltraumteleskop Euclid richtete seine Instrumente auf den sogenannten galaktischen Bulge, also die dicht besiedelte Zentralregion unserer Heimatgalaxie.
Dabei entstand ein Mosaik, das mehr als 60 Millionen Sterne sowie zahlreiche Nebel und Sternhaufen im sichtbaren Licht zeigt. Für diese immense Detailfülle benötigte das Teleskop lediglich eine Beobachtungszeit von 26 Stunden, was in der professionellen Astronomie als extrem kurz gilt.
Wie das US-Magazin Wired berichtet, besteht die Gesamtaufnahme aus neun Einzelbildern. Jedes dieser Bilder deckt einen Bereich des Himmels ab, der größer ist als der von der Erde aus sichtbare Vollmond.
Obwohl die Bildschärfe von Euclid im sichtbaren Licht mit jener des berühmten Hubble-Weltraumteleskops vergleichbar ist, bietet Euclid ein 270-mal größeres Sichtfeld. Ein bodengebundenes Teleskop wie das Keck-Observatorium auf der US-Inselgruppe Hawaii hätte für ein identisches Mosaik rund 2000 Beobachtungsstunden aufwenden müssen.
Der eigentliche Zweck dieser Beobachtungskampagne ist die Vorbereitung auf die Entdeckung neuer Exoplaneten. Die Astronomie nutzt dafür den sogenannten Gravitationsmikrolinseneffekt, bei dem ein Stern im Vordergrund das Licht eines Hintergrundsterns wie eine kosmische Lupe verstärkt.
Zieht ein Planet um den vorderen Stern, verrät er sich durch eine spezifische, winzige Helligkeitsschwankung im optischen Messgerät. Um dieses seltene Phänomen zu beobachten, müssen dicht gedrängte Sternenfelder wie eben das Zentrum der Milchstraße dauerhaft überwacht werden.
Laut dem Wissenschaftler Jean-Philippe Beaulieu, der die aktuelle Beobachtungskampagne der ESA leitete, wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast 300 Exoplaneten mit dieser speziellen Technik entdeckt. Allein in dem nun veröffentlichten Bild von Euclid verbergen sich bereits 51 bekannte Planetensysteme, die auf diese Weise in der Vergangenheit identifiziert wurden.
Allerdings reicht eine 26-stündige Beobachtung nicht aus, um den Mikrolinseneffekt vollständig zu erfassen, da dieser oft mehrere Wochen andauert. Die wahre Stärke der von Euclid gesammelten Daten liegt vielmehr in ihrer Funktion als exakte historische Referenz für künftige Beobachtungskampagnen.
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