Isabel Schnabel: »Ohne Reformen geht Deutschlands Wachstum gegen null«
Der Ölpreis ist nach dem vorläufigen Frieden im Irankrieg gesunken. EZB-Direktorin Isabel Schnabel sieht dennoch Inflationsgefahr und kündigt höhere Zinsen an.
Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, analysiert die Auswirkungen einer Waffenruhe im Nahen Osten auf die Wirtschaft. Obwohl die Energiepreise gesunken sind, bleibt die Inflation eine Herausforderung. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Energiepreise und die potenziellen Zweitrundeneffekte auf die Inflation sind hoch. Schnabel betont die Notwendigkeit von Reformen und Innovationen, um das Wachstum in Deutschland und Europa anzukurbeln. Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt sie optimistisch und sieht in Innovation, Integration und Souveränität die Schlüssel für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.
Isabel Schnabel gehört seit 2020 zum sechsköpfigen Direktorium, das die Europäische Zentralbank leitet. Die 54jährige Deutsche gilt als ausgewiesene Finanzexpertin. Sie hat auch eine Professur an der Universität Bonn, ist dort aber für ihre Arbeit bei der Zentralbank beurlaubt.
DIE ZEIT: Im Nahen Osten gilt jetzt eine Waffenruhe, und der Ölpreis ist gesunken. Was heißt das für die Wirtschaft in Europa und speziell in Deutschland?
Isabel Schnabel: Das ist eine gute Nachricht für Europa und die Weltwirtschaft. Der Krieg hat das Wachstum gebremst, und sein Ende könnte jetzt wieder für mehr Schwung sorgen. Uns bei der EZB treibt natürlich in erster Linie die gestiegene Inflation um. Diese wurde in den vergangenen Monaten maßgeblich von den hohen Energiepreisen getrieben, und die sind aufgrund des vorläufigen Friedensabkommens stark gefallen.
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