Was passiert, wenn Arbeitslosengeld gekürzt wird?
Eine Studie der TU Wien zeigt: Mehr Druck auf Jobsuchende erhöht die Beschäftigung, aber auch die Ungleichheit. Helfen könnten staatliche Boni für Menschen mit niedrigen Einkommen
Eine Studie der TU Wien zeigt: Mehr Druck auf Jobsuchende erhöht die Beschäftigung, aber auch die Ungleichheit. Helfen könnten staatliche Boni für Menschen mit niedrigen Einkommen
Am Arbeitsmarkt ist keine Erholung in Sicht. In den vergangenen Monaten ist die Erwerbslosigkeit in Österreich immer weiter gestiegen. Ende Juni waren knapp 369.000 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos oder in Schulung gemeldet. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres ist das ein Anstieg von 1,2 Prozent.
Doch was hilft dagegen? Immer wieder hört man in Debatten das Argument: das Arbeitslosengeld sei zu hoch. Menschen ohne Job hätten deshalb zu wenig Motivation, einer Beschäftigung nachzugehen, heißt es. Gerade in Zeiten von Budgetkürzungen orten manche hier zudem Sparpotenzial.
Diese Rechnung geht, laut einer neuen Studie, aber nicht auf. Nawid Siassi vom Institut für Stochastik und Wirtschaftsmathematik an der Technischen Universität Wien hat erforscht, welche Auswirkungen es hätte, wenn das Arbeitslosengeld tatsächlich gekürzt würde.
Die zentrale Erkenntnis: Die Folgen von solchen Reformen werden zu simpel dargestellt. "Wir haben uns auf die breiteren wirtschaftlichen Auswirkungen fokussiert", erklärt Siassi. Denn diese Nebeneffekte würden oft ignoriert, dabei spielen gerade sie eine zentrale Rolle.
Ein Team des European University Institute in Italien, der York University in Kanada und der TU Wien hat ein makroökonomisches Modell entwickelt, um diese indirekten Effekte sichtbar zu machen. "Das Modell bildet realistisch ab, wie sich Menschen verhalten", sagt Siassi. "Sie suchen nach neuen Jobs, steigen in der Karriereleiter auf, verhandeln ihre Löhne und legen – wenn möglich – Geld zur Seite, um sich beispielsweise gegen das Risiko von Arbeitslosigkeit abzusichern." Gleichzeitig entscheiden Unternehmen über Investitionen und neue Stellen.
"Dadurch konnten wir Effekte untersuchen, die über die unmittelbaren Beschäftigungseffekte hinausgehen und uns der Frage widmen, ob Kürzungen des Arbeitslosengeldes dazu führen, dass es der Gesellschaft insgesamt besser geht", betont der Wirtschaftswissenschafter. Das Modell wurde mit Daten aus Deutschland kalibriert, diese seien laut Siassi aber unmittelbar auf Österreich übertragbar.
Was würde also passieren, wenn das Arbeitslosengeld beispielsweise um zehn Prozent gekürzt wird? "Die Beschäftigung steigt dann tatsächlich, so wie das ja auch politisch gewollt ist", erklärt der Experte. Einerseits entstehen mehr Jobs, andererseits nehmen mehr arbeitssuchende Menschen Jobs an, die sie früher abgelehnt hätten.
Die Maßnahme ha
📌 Kaynak
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