Erschöpfung: Der Fleischwolf des Alltags macht Hack aus den Menschen
Krankschreibung ab dem ersten Tag? Dazu ein paar Gedanken einer Hausärztin.
Hausärztin schreibt Menschen nicht krank, damit sie nicht halb tot sind, sondern damit sie es gar nicht erst werden. Patienten können trotz Beschwerden noch aufrecht in die Praxis kommen und müssen nicht im Flur erbrechen. Das Leben ist unvorhersehbar und lässt niemanden unberührt. Krankschreibungen sind keine Belohnung, sondern Therapie und Prävention. Die Reformpläne zur Krankschreibung werfen Fragen auf: Wird die Wirtschaft produktiver?
Ich bin Hausärztin. Ich schreibe Menschen nicht krank, weil sie bereits halb tot sind. Sondern damit sie es gar nicht erst werden. Meine Patientinnen und Patienten können auf ihren eigenen zwei Beinen in die Praxis kommen. Sie können sich unterwegs noch einen Kaffee holen, auffälliges Make-up tragen oder ein frisches T-Shirt anziehen – und trotzdem den gelben Schein bekommen. Sie müssen nicht in den Flur erbrechen oder im Wartezimmer ohnmächtig werden. Sie dürfen vorher frühstücken, anstatt während der Blutabnahme wegen einer Unterzuckerung vom Stuhl zu kippen. Sie können ihren Beruf lieben oder hassen. Viel verdienen oder wenig. Ausschließlich belebtes Wasser trinken oder dreimal täglich Bier. Sie können sich Botox spritzen lassen oder Heroin.
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