Fußball-WM: Mitleid mit Infantino
Die Folgen des allnächtlichen Fußballguckens: Beim Kaffeemachen denkt man an »Hydration Break« und bei Spültabs an die »Boxbesetzung« – unser Autor hat einen WM-Koller.
Die Fußball-WM dominiert mein Leben, während ich mich in einem Strudel aus Spielen, Kommentatoren und Instagram-Accounts verliere. Die skurrilen Bezeichnungen der Teams und die mentale Verschiebung durch das Event lassen mich an der Realität zweifeln. Selbst der FIFA-Chef Infantino scheint dem Fußballwahn zu verfallen. Vielleicht ist es an der Zeit, sich von diesem Sog zu lösen und wieder in die reale Welt zurückzukehren. Oder vielleicht sollte ich einfach weiterhin auf den VAR warten, um mein Leben zu kommentieren.
Es ist mir sehr unangenehm, hier nun mit Privatheiten zu kommen, aber anders als Menschen mit sinnvollen Leben erlebe ich gegenwärtig nicht viel mehr als die Fußball-WM.
Das hat natürlich erhebliche Folgen, vielleicht sind manche auch besorgniserregend. Zum einen bleibe ich nachts wach, nur um zwei Stunden zuzuschauen, wie ein Spiel wegen Unwetters unterbrochen wird und den Kommentatoren zum Regen nicht viel Schönes einfällt, woraus sie sich nichts machen sollten, das geht der deutschen Gegenwartsliteratur ja meist genauso. Zum anderen laufe ich dann tagsüber, bisweilen gehörig ermattet vom Nachteinsatz, durch einen sehr kleinen Teil dieses niedlichen Planeten und frage mich, ob es nur mir so geht oder andere auch finden, dass Cristiano Ronaldo inzwischen aussieht wie seine eigene rührende Wachsfigur. Und wieso es okay zu sein scheint, dass man die norwegische Mannschaft »die Wikinger« nennt, aber nicht in Ordnung, etwa zur Mannschaft aus Katar »die Scheichs« zu sagen, und was Moraltheologen dazu denken.
📌 Kaynak
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