Greenkeeper von Wimbledon: Der heilige Rasen wird in zwei Wochen 18.240 Mal kontrolliert
Kein Grün dieser Welt ist heiliger als der Rasen von Wimbledon. Das Team von Neil Stubley sorgt dafür, dass er perfekt ist. Das ist eine Ganzjahresaufgabe.
Novak Đoković isst gerne Rasen, aber erst nach dem Wimbledon-Turnier. Der Greenkeeper Neil Stubley sieht das mit Humor, denn für ihn bedeutet das Ende des Turniers weniger Stress. Wimbledon sticht mit seinen Traditionen und dem Rasenspiel heraus, das eine besondere Herausforderung darstellt. Stubley und sein Team sorgen dafür, dass die Rasenplätze konstant und bespielbar bleiben, trotz des wechselhaften Wetters. Die Pflege des Rasens ist eine Ganzjahresaufgabe, die auch nach dem Turnier weitergeht, um die perfekten Bedingungen für die Spieler zu gewährleisten.
Gut, dass Novak Đoković seiner seltsamen Essensvorliebe erst am Ende des Turniers nachgeht. Siebenmal hat Đoković bislang in Wimbledon gesiegt und meistens zelebriert er es mit einer besonderen Geste: Nach dem Matchball reißt er ein Stückchen Rasen vom Centre Court – und isst es. Vielleicht schafft es Đoković, der heute im Halbfinale gegen Jannik Sinner antreten muss, noch einmal und greift am Sonntag wieder in den Rasen.
Neil Stubley sollte das eigentlich nervös machen. Aber er sieht Đoković’ Rasenfressen mit einem Augenzwinkern. Denn wenn der Sieger des Männerturniers ein Stück aus seinem Heiligtum reißt, heißt das für Stubley: Der größte Stress ist vorbei. Dann fällt auch von ihm der Druck ab. Die kurzen Nächte mit den schlechten Träumen haben ein Ende: »Wenn man sich keine Sorgen macht, bedeutet es doch, dass einem alles egal ist. Von daher nehme ich das gerne an«, sagt er.
Stubley, 57, ist der Mann, der für den heiligsten Rasen der Welt verantwortlich ist. Er ist der Greenkeeper des Tennisturniers in Wimbledon. Vergleichbare Jobs: Orgelmeister im Petersdom oder Chefkurator im Louvre. Wimbledon ist das wichtigste Tennisturnier des Jahres. Es sticht mit seinen vielen Traditionen und Regeln unter den vier Grand-Slam-Turnieren heraus. Und das liegt auch am Rasen. Da die meisten Turniere mittlerweile auf Hartplatz oder Sand ausgetragen werden, ist das Rasenspiel etwas Besonderes geworden.
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Rasen ist der Urbelag des Tennis. 1874 hatte der britische Major Walter Clopton Wingfield das »Lawn Tennis« vorgestellt, sich dafür den Tennisplatz patentieren lassen und eine Box mit Tennis-Ausrüstung verkauft. Der Zeitpunkt war perfekt: 1830 war der Rasenmäher erfunden worden, Charles Goodyear hatte sich 1844 vulkanisiertes Gummi patentieren lassen, aus dem die Bälle hergestellt wurden. Und der Präzisionsport Croquet, für den man in England viele Rasenflächen angelegt hatte, war vielen zu langweilig geworden. Die leerstehenden Plätze
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