Wie Ägypten vom Chaos in Nahost profitiert
Lange verstand sich Ägypten als Zentrum der arabischen Welt. Das hat sich geändert. Doch Kriege und Krisen in der Nachbarschaft lassen das Land als stabil wirken - und stärken es sogar. Von Ramin Sina. [ mehr ]
Lange verstand sich Ägypten als Zentrum der arabischen Welt. Das hat sich geändert. Doch Kriege und Krisen in der Nachbarschaft lassen das Land als stabil wirken - und stärken es sogar in manchen Aspekten.
Die Hauptstädte von Libanon, Syrien, Jemen und dem Irak wurden im vergangenen Jahr von Israel bombardiert. Im Frühjahr diesen Jahres schlugen iranische Raketen und Drohnen in Hauptstädten der Golfregion ein und Raketentrümmer gingen über Amman in Jordanien nieder. In Khartum im Sudan bekriegen sich Milizen, ebenso in der libyschen Hauptstadt Tripolis.
Mitten in dieser Krisenregion liegt die größte arabische Metropole - und bleibt bislang von allen Kriegen verschont: Kairo.
Ägypten ist von Ländern und Gebieten umgeben, in denen Krieg herrscht oder die von bewaffneten Angriffen betroffen sind.
Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sieht darin den Erfolg seines Kurses. Jahrelang wurde der ehemalige General kritisiert, Milliarden in Militär und Sicherheit zu investieren, während die Wirtschaft schwächelte und viele Menschen mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpften.
Seit den Kriegen in Gaza, im Libanon und am Golf ist bei manchen Ägyptern das Verständnis für diese Prioritäten gewachsen. Sicherheit hat in einer zunehmend instabilen Region an Bedeutung gewonnen.
Denn im Westen grenzt es an das politisch zerrissene Libyen, im Süden an den Sudan, wo Millionen Menschen vor Krieg und Hunger fliehen. Rund anderthalb Millionen Sudanesen sind seit Beginn des Krieges nach Ägypten gekommen. Im Nordosten liegen Israel und der Gazastreifen, seit fast drei Jahren Zentrum eines der folgenreichsten Konflikte der Region.
In Kairo ist man besorgt, dass hunderttausende Palästinenser aus dem Gazastreifen nach Ägypten flüchten. mehr
Doch in Ägypten selbst herrscht Frieden, und das wird zunehmend zu einem Standortvorteil. Anders als viele Staaten der Golfregion und der Levante, liegt Ägypten nicht direkt zwischen Israel und Iran. Der internationale Flugverkehr läuft weitgehend normal, das Land gilt als sicher.
Davon profitiert vor allem der Tourismus. Die Pyramiden von Gizeh, die Tempelanlagen entlang des Nils, die Badeorte am Roten Meer und das neue Grand Egyptian Museum machen Ägypten für viele Reisende attraktiv. Während Länder wie Syrien, Libanon oder Irak für viele Urlauber weiterhin nicht infrage kommen, hat sich seit 2022 die Zahl der Besucher mehr als verdoppelt. Rund 19 Millionen Touristen kamen zuletzt ins Land.
Und doch verfolgen viele Ägypter die Kriege in ihrer Nachbarschaft mit Sorge. Auf den Straßen Kairos wird immer wieder darüber diskutiert, ob d
📌 Kaynak
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