Warnungen der Ukraine: "Gefahr eines Angriffs aus Belarus wächst"
Belarus hat bislang Russlands Krieg gegen die Ukraine vor allem passiv unterstützt. Doch die Ukraine befürchtet, dass Belarus aktiver werden könnte. Der Ton zwischen Kiew und Minsk wird schärfer. Von F. Kellermann. [ mehr ]
Belarus hat bislang Russlands Krieg gegen die Ukraine vor allem passiv unterstützt. Doch die Ukraine befürchtet, dass Belarus aktiver werden könnte. Der Ton zwischen Kiew und Minsk wird schärfer.
Seit einigen Wochen warnt die ukrainische Staats- und Militärführung immer eindringlicher vor der Gefahr einer neuen Front im Norden, darunter auch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Armeechef Oleksander Syrskyj sagte in einem Fernsehinterview: "Unsere Geheimdienste haben festgestellt, dass die Gefahr eines russischen Angriffs aus Belarus wächst."
Schon beim russischen Großangriff im Februar 2022 spielten das belarusische Staatsgebiet und die mehr als 1.000 Kilometer lange Grenze zur Ukraine eine wichtige Rolle. Auch von dort stießen russische Truppen damals Richtung Kiew vor.
Syrskyj ließ offen, ob er wieder vor einem russischen Angriff warnte - oder ob seiner Einschätzung nach diesmal auch belarusische Soldaten beteiligt sein könnten.
Die Angriffe der letzten Nacht sind ein Kriegsverbrechen, sagt der Militärexperte Lange auf tagesschau24. mehr
Analysten sehen ein weiteres Bedrohungsszenario. Russland könnte von belarusischem Staatsgebiet aus die Wege ins Visier nehmen, auf denen die Ukraine Militärhilfe aus dem Westen bekommt.
Es könnte mit Drohnen mittlerer Reichweite von Norden aus etwa die Autobahn M-06 beschießen, die Kiew mit Lwiw und dem ukrainisch-ungarischen Grenzübergang bei Tschop verbindet. Dieses Szenario schildert etwa die US-Denkfabrik Institute for the Studies of War (ISW) in einem Bericht von Ende Mai.
Die belarusische Oppositionsgruppe "Gesellschaft der Eisenbahner von Belarus" erklärte vor kurzem, sie habe Erkenntnisse über die Stationierung einer "Oreschnik"-Rakete in Belarus. Russland habe sie zu einem ehemaligen Militärflugplatz in Belarus transportiert.
"Oreschnik" ist eine Mittelstreckenrakete, die Atomsprengköpfe tragen und jeden beliebigen Punkt auf dem europäischen Kontinent treffen könnte.
Die Ukraine reagiert auf die Gefahr, die sie sieht, mit einer Reihe von Signalen an den belarusischen Machthaber Alexander Lukaschenko. Eines von ihnen: Die belarusische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja kam vergangene Woche zu einem ersten offiziellen Besuch nach Kiew.
Gegenüber der ARD wies sie dabei auf die anhaltende militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und Belarus hin, etwa die gemeinsamen Atomübungen. "Selenskyj hat gesagt, eine Eskalation kann es jederzeit geben, und ich gebe ihm völlig recht", sagte Tichanowskaja.
Die Politikerin war 2020 bei der Präsidentschaftswahl gegen den Langzeitherrschaft Alexander Lukaschenko ang
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