Trauer in der Familie: »Aggression gegenüber den Toten ist völlig normal«
Ein Todesfall löst in Familien Trauer aus. Aber er kann auch unausgesprochene Vorwürfe und Konflikte aufwühlen, die nie verarbeitet wurden. Genau darin liegt die Chance.
Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer erklärt, warum der Tod eines Elternteils oft zu unerwarteten Spannungen in Familien führt. Trauer kann zu Konflikten, Vorwürfen und Brüchen führen, da auch unangenehme Gefühle wie Aggression auftauchen. Negative Emotionen können sich sowohl gegen den Verstorbenen als auch gegen die überlebenden Familienmitglieder richten. Schmidbauer betont die Bedeutung von Humor und Ironie im Umgang mit Trauer, um aggressive Impulse zu kanalisieren. Er plädiert dafür, Raum für individuelle Trauerprozesse zu schaffen und Rituale wie die Schiwa in der jüdischen Tradition zu nutzen, um über Verluste zu sprechen.
Wenn ein Elternteil stirbt, scheint zunächst alles eindeutig: Jemand fehlt, die Zurückgebliebenen trauern. Doch dahinter entstehen oft Spannungen, die überraschen: Vorwürfe gegen den überlebenden Elternteil, Rivalitäten zwischen Geschwistern, manchmal sogar eine leise Wut auf den Verstorbenen selbst. Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer erklärt in unserer Serie »Familienrat«, warum das kein Zeichen von Lieblosigkeit ist, sondern ein Bestandteil von Abschiedsprozessen, der sogar Chancen bietet.
DIE ZEIT: Es heißt, wenn ein Elternteil stirbt, rücke die Familie enger zusammen. Aber viele Menschen berichten anderes: Gerade in der Trauer entstehen Konflikte, Vorwürfe. Manchmal kommt es zu Brüchen. Warum?
📌 Kaynak
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