Holger Friedrich: »Ich sprach von einem blutigen Krieg und wurde nicht festgenommen«
Der Verleger der »Berliner Zeitung« nimmt am St. Petersburger Wirtschaftsforum teil. Das sei besser, sagt Holger Friedrich, als aufeinander zu schießen.
Holger Friedrich, Verleger der »Berliner Zeitung«, gründete die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« und reflektiert über die zunehmende Abschottung der russischen Gesellschaft. Trotz innovativer Infrastrukturen fühlen sich Deutsche in Russland immer mehr als Feinde. Auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg begegnet Friedrich offener Kommunikation, aber auch massiven Sicherheitsmaßnahmen, die der wirtschaftlichen Prosperität widersprechen. Er betont die Bedeutung des Dialogs, kritisiert die deutsche Politik und plädiert für eine aktive Beendigung der militärischen Aggression.
Holger Friedrich, 59, ist Unternehmer und Verleger der »Berliner Zeitung«. Dieses Jahr gründete er außerdem die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« mit Sitz in Dresden.
DIE ZEIT: Herr Friedrich, Sie sind gerade auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg. In der Nacht zum Mittwoch hat die Ukraine mit Drohnen die Energie- und Militärinfrastruktur in der Stadt angegriffen. Wie haben Sie die Situation erlebt?
Holger Friedrich: Am Morgen stand über der Stadt eine Rauchsäule. Doch niemand machte Fotos, niemand schaute hin. Es war ein wenig wie in dem Netflix-Film Don’t Look Up: Alle auf der Straße bemühten sich um Normalität, obwohl diese Normalität längst nicht mehr vorhanden ist. Die russische Gesellschaft mauert sich zunehmend ein. Man könnte das den Nordkorea-Effekt nennen. Es reicht vom Taxifahrer bis in politische und wirtschaftliche Eliten.
📌 Kaynak
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