Emil Kläger und Hermann Drawe: Das Elend als Bühne
Vor 120 Jahren dokumentierten ein Journalist und ein Fotograf das Leben der Ärmsten in Wien – »mit fürchterlicher Deutlichkeit«. Eine neue Ausstellung belebt die Bilder.
Wien um 1900: Fotografie als Schocktherapie gegen soziale Missstände. Emil Kläger und Hermann Drawe enthüllen mit Lichtbildervorträgen das Elend der Stadt. Das Publikum ist schockiert, aber auch fasziniert von den Bildern aus den Wiener Slums. Trotz Zensur und Kritik zeigen die Draufgänger die Schattenseiten der Ringstraßengesellschaft. Kläger und Drawe waren keine bloßen Schreibtischtäter, sondern stiegen selbst in den Dreck – wenn auch freiwillig.
Anfang des 20. Jahrhunderts ist Wien für viele Menschen ein dunkler Ort. Industrialisierung und Urbanisierung führen zu Wohnungsnot, Armut, Elend und miserablen hygienischen Bedingungen. Sozialdemokraten wie Victor Adler und Max Winter schreiben Sozialreportagen über die gesellschaftlichen Missstände, um politische Veränderungen anzustoßen. Doch dann kommen zwei junge Draufgänger und bemächtigen sich auch eines neuen Mediums: der Fotografie. Sie zeigen die gesellschaftlichen Abgründe damit auf bis dato ungesehene Weise. Das Publikum tobt.
📌 Kaynak
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