Nicht mehr nach Lust und Laune zum Arzt: Brauchen Patienten Zwang?
Kein Facharztbesuch ohne Überweisung: Dieses von der Politik diskutierte Modell soll Menschen davon abhalten, mit harmlosen Wehwehchen zu Spezialisten zu gehen. Was Experten für klug halten und anderswo normal ist, stößt hierzulande auf Widerstand
Kein Facharztbesuch ohne Überweisung: Dieses von der Politik diskutierte Modell soll Menschen davon abhalten, mit harmlosen Wehwehchen zu Spezialisten zu gehen. Was Experten für klug halten und anderswo normal ist, stößt hierzulande auf Widerstand
Es brauchte nur den vagen Hinweis auf einen kolportierten Plan, um die Empörung aufwallen zu lassen. Zu erwarten sei nichts anderes als die Vernichtung von Zeit und Geld, lautete die weitverbreitete Reaktion: Patienten würden mit sinnlosen Wegen gequält, um sich bloß einen Zettel abzuholen. "Künftig wird man einen Termin brauchen, um einen Termin zu vereinbaren", prophezeite ein Kritiker. Ein anderer schrieb: "Ich hoffe, diesen Wahnsinn führt niemand wirklich ein."
Kommentare wie diese sind in Hülle und Fülle unter einem kürzlich erschienenen STANDARD-Artikel zu finden. Die Rede war darin von einer Idee, die Patientinnen und Patienten ein Stück offenbar liebgewonnener Freiheit kosten könnte. Bisher hat jeder und jede die Möglichkeit, sich nach Gutdünken einen Termin beim Facharzt auszumachen. Dem könnte die Politik – so lautet die Befürchtung – einen Riegel vorschieben.
Einen Anlass böte die große Gesundheitsreform, um die derzeit die Bundesregierung mit den Landeshauptleuten und anderen Stakeholdern ringt. Die seit Jahrzehnten durch die Debatte geisternde "Finanzierung aus einer Hand", die das lähmende Kuddelmuddel an Kompetenzen und Mitspracherechten beseitigen soll, ist dabei nicht die einzige beschworene Zauberformel. Auch an gezielter "Patientenlenkung" soll das unter stark steigenden Kosten ächzende System genesen, denn eine Diagnose ist weitgehend unumstritten: Die Suche nach medizinischer Hilfe endet hierzulande viel zu oft am falschen Ort.
Dieser befindet sich nicht selten im Spital, sei es in den Bettenabteilungen oder in den Notaufnahmen. Ein großer Teil der Besucherinnen und Besucher sei in den für akute Fälle vorgesehenen Stationen fehl am Platz, hört man immer wieder von dort Beschäftigten. Mittlerweile haben viele Krankenhäuser Erstversorgungsambulanzen vorgeschaltet, um in einer Art Triage auszusieben: Wer nicht viel mehr als einen gröberen Schnupfen hat, wird weitergeschickt – zum Hausarzt, in die Apotheke oder einfach heim ins Bett.
Es sei hoch an der Zeit, dass derartige "Gatekeeper" auch im sogenannten niedergelassenen Bereich, der ärztlichen Versorgung abseits der Spitäler, Einzug hielten, sagt Thomas Czypionka. Der Gesundheitsökonom vom Institut für Höhere Studien (IHS) identifiziert die verbreiteten "Selbstzuweisungen" zum Facharzt als drängendes Problem: Vielfach würden da Spezialis
📌 Kaynak
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