Wie eine Wiener Familienfirma mit Jalousienkordeln zum Weltmarktführer wurde
Seit 1844 produziert die Familie Ehlmaier in Wien-Mariahilf textile Spezialwaren. Heute gehen ihre Raffstore-Kordeln vom Werkstatthof in die ganze Welt
Seit 1844 produziert die Familie Ehlmaier in Wien-Mariahilf textile Spezialwaren. Heute gehen ihre Raffstore-Kordeln vom Werkstatthof in die ganze Welt
"Normalerweise kommt man zu so was ja nicht, man kriegt’s halt!", erzählt Geschäftsführer Peter Ehlmaier, als er uns im Werkstättenhof in der Mollardgasse empfängt und mit dem Lift dorthin hinaufführt, wo sein Büro liegt. Während der Fahrt erzählt er ein bisschen von seiner Familie: "Mein Bruder Friedrich war der Älteste und musste das hier übernehmen, der hat gar keine Chance gehabt." Der Vater sei nämlich ein richtiger Patriarch gewesen, lacht er. "So ein Familienoberhaupt!" Aber zum Lachen wird es wohl nicht immer gewesen sein. "Der jüngere Bruder ist rechtzeitig ausgestiegen und macht jetzt in Immobilien. Ich selbst habe Theaterwissenschaften und Psychologie studiert." Und ein bisschen wie im Theater wäre es hier auch manchmal.
Denn: "Stellen Sie sich nur vor, der Lift! Wie langsam der ist! Wie oft wir damit auf und ab fahren müssen, um unsere Produkte hinunterzukriegen. Und wie sich die LKWs quälen müssen, bis sie da in den Hof hereinkommen." Dieser wurde ja einst für Pferdekutschen entworfen, und der Lift musste nachträglich erst eingebaut werden. "Ich weiß nicht, wie viele Gitterboxen für ich weiß nicht wie viele LKWs wir da jeden Tag hinunterbringen!"
Aber gut, nur jammern will er dann auch nicht. "Es ist schon sehr lässig hier!", sagt er, nicht zuletzt wegen der vielen schönen Erinnerungen, die er an sein Aufwachsen im Hof hat. Die Firma gibt es ja bereits seit 1844, ursprünglich produzierte man Gespinste. 1908 zog man als Gründungsmitglied in den neu errichteten Jubiläums-Werkstättenhof mit ein.
Schon als Kinder sind die Brüder durch die Hallen gerannt und haben "geholfen", wofür sie ein paar Schillinge bekommen haben. In der "Leonischen Spinnerei" beispielsweise, wie sie über einer Türe noch immer angeschrieben steht. Was sie da machten? "Man nahm Zementdraht und plättete ihn zu Lametta. Das haben wir mit Wolle für die Gold- und Silberfäden der Schokolade am Weihnachtsbaum oder Seide für den Klerus oder das Militär umsponnen. Die ganzen Wappen, Wimpeln und Fahnen waren ja mal ein Renner, machten aber irgendwann nur mehr zwei Prozent vom Umsatz aus." Also hat man die Spinnerei geschlossen.
Wohingegen sich "die Geschichte mit den Jalousienkordeln" zu einer Art Welterfolg entwickelte, zunächst nicht immer nur bergauf gegangen war: "In den 60er Jahren haben wir begonnen, uns für textile Komponenten im Sonnenschutz zu interessieren. Bis vor drei, vier Jahren deckten wir die gesamte Palette ab,
📌 Kaynak
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