Schneiden oder nicht schneiden? Wim Wenders' Regie-Ego sollte zurückstecken

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Schneiden oder nicht schneiden? Wim Wenders' Regie-Ego sollte zurückstecken

Nastassja Kinski fordert Wim Wenders auf, eine Nacktszene ihres 13-jährigen Ichs zu schneiden. Er ziert sich. Dabei wäre das eine Chance für den Autorenfilm

Nastassja Kinski fordert Wim Wenders auf, eine Nacktszene ihres 13-jährigen Ichs zu schneiden. Er ziert sich. Dabei wäre das eine Chance für den Autorenfilm

"Wim: Schneide endlich diese verdammten zwei Minuten raus aus deinem Film!", forderte Alice Schwarzer ihren Altersgenossen, Regisseur Wim Wenders, unumwunden auf. Der Film heißt Falsche Bewegung, stammt aus dem Jahr 1975 und zeigt in einer erotischen Szene die Brüste der 13-jährigen Nastassja Kinski.

Die Hauptfigur Wilhelm, verkörpert vom 33-jährigen Rüdiger Vogler, hat sich im Zimmer geirrt. Und bleibt am Ende doch bei dem Teenager, um mit ihm zu schlafen, wie man später durch Hanna Schygulla, die die weibliche Hauptrolle spielt, erfährt.

Hätte Wenders, damals 29, Kinski ein Unterhemd tragen lassen, gäbe es diese Diskussion nicht. Denn Kinski geht nicht gegen Erotik per se vor, sondern gegen Darstellungen ihres nackten minderjährigen Körpers. Nicht nur in Falsche Bewegung, auch im Tatort: Reifezeugnis (1977), der seit 2024 nicht mehr auf den offiziellen Plattformen abrufbar ist. Darin war sie 15. Der Regisseur der Tatort-Folge, Wolfgang Petersen, war zum Zeitpunkt ihrer Intervention schon tot und hatte nicht die Gelegenheit, eine neue Schnittfassung zu erwägen.

Nach der umstrittenen Rede von Wim Wenders beim Deutschen Filmpreis, in der er Nastassja Kinski eine Entschuldigung schuldig blieb und sein jüngeres Ich in Schutz nahm, meldete sich nun Kinski in einem Instagram-Posting zu Wort. Darin beklagt sie, dass Wenders ihre Bitte nach einem persönlichen Gespräch nicht ernst genommen und von seiner Verantwortung abgelenkt habe.

Wenders könnte das. Er wäre nicht der Erste, der einen Director's Cut anfertigt. Solche Cuts entstehen meist dann, wenn Regisseure sich von der Studiofassung in ihrer ureigenen künstlerischen Vision beschnitten fühlen.

Diesmal wäre es anders. Wenders könnte mit einer neuen Schnittfassung und einer Re-Kontextualisierung seines Films durch Begleitmaterial, etwa eines Interviews mit Kinski, zeigen, dass der Autorenfilm auch anders kann: Sich kritisch hinterfragen und die Persönlichkeitsrechte einer damals Minderjährigen über das eigene künstlerische Ego stellen. Das wäre besser, als den Film einfach zurückzuziehen, wie Wenders es jetzt getan hat. Das Original ist nicht aus der Welt, die Filmgeschichte wird es überleben. (Valerie Dirk, 5.6.2026)

Schwarzer an Wim Wenders: "Schneide endlich die zwei Minuten raus"

📌 Kaynak

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