Europa hat keinen Grund, über die Besetzung des UN-Sicherheitsrats zu jubeln
Österreichs Diplomatie mag sich über den Erfolg in New York freuen. Der Dämpfer für Deutschland zeigt aber die globale Schwäche der Europäer
Österreichs Diplomatie mag sich über den Erfolg in New York freuen. Der Dämpfer für Deutschland zeigt aber die globale Schwäche der Europäer
Dass Österreich im ersten Wahlgang einen Sitz im UN-Weltsicherheitsrat errungen hat, ist zweifelsohne ein Erfolg für Wien – und nicht nur für die Regierung. Die Stadt dient seit Jahrhunderten als bewährter Ort der Diplomatie, seit Jahrzehnten als dritter Sitz der Vereinten Nationen.
Für allzu euphorischen Jubel, wie ihn die Delegation von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger in New York demonstriert hat, besteht dennoch wenig Anlass. Die UN-Versammlung ist keine Fußball-WM. Und es ist auch nicht so, dass Österreich jetzt wieder an jenem Tisch sitzt, an dem "über Frieden, Sicherheit und Stabilität entschieden" wird, wie sie erklärte.
Das tun die Großmächte anderswo. Die Uno ist in einer schweren Krise, der Sicherheitsrat wie gelähmt – nicht erst seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und dem Krieg in Gaza, der von einem Massaker der Hamas in Südisrael ausgelöst worden war. Österreichs Betonung der Neutralität und eines neuen nationalen Selbstbewusstseins ändert daran nichts. Vielmehr müsste Wien eine gemeinsame EU-Außen- und -Sicherheitspolitik vehement vertreten, die gerade deutlich militarisiert wird.
Genau deshalb hat der "Sieg" Österreichs (und Portugals) in der Uno über den dritten Kandidaten aus Europa einen Pferdefuß: Deutschland fiel blamabel durch, ist nun diplomatisch geschwächt. Das fällt am Ende wieder der EU auf die Füße, die ohne Geld, Macht und Einfluss aus Berlin marginal bliebe. Europas Gewicht nimmt ab – statt zu. (Thomas Mayer, 5.6.2026)
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📌 Kaynak
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