Das Phantom der Schopen
Zwischen Zuschreibung, Grenzraum und nationaler Vereinnahmung auf dem Balkan
Zwischen Zuschreibung, Grenzraum und nationaler Vereinnahmung auf dem Balkan
Im Gastblogbeitrag schreibt Nenad Stefanov über die "Schopen" im Balkanraum als historisch umstrittene und wandelbare Zuschreibung zwischen Bulgarien, Serbien und Nordmazedonien, die weniger eine klar fassbare ethnische Gruppe als vielmehr ein "Phantom" aus regionalen, politischen und nationalen Deutungen darstellt.
"Die Schopen sind das älteste Volk Europas, wusstet ihr das noch nicht?" Der Kellner grinst, als er in einem Ausflugslokal in Caribrod/Dimitrovgrad im Südosten Serbiens die "größte Šopska Salata der Welt" serviert. Auf dem Tisch steht nun ein imposanter Berg aus Gurken, Tomaten und geriebenem Schafskäse.
Ob seine Bemerkung ernst gemeint ist, wird nicht klar. Und doch ist sie aufschlussreich. Denn in ihr verdichtet sich ein ganzes Bündel an Fragen. Es beginnt mit einem Namen, der auf dem Balkan, vor allem im Grenzraum zwischen Westbulgarien, Südostserbien und dem Osten Nordmakedoniens, seit langem zirkuliert, aber alles andere als eindeutig ist. Wer sind die Schopen? Gibt es diese, oder handelt es sich um ein Phantom?
So ohne Weiteres lässt sich das nicht beantworten. Mal erscheinen sie als regionale Gruppe, mal als Zuschreibung von außen, mal als folkloristische Kategorie. Daran zeigt sich, wie brüchig und situationsabhängig kollektive Zuschreibungen sein können. Bekanntlich hat der Balkan einiges zu bieten, Vielfalt vor allem. Wobei dann zumeist von einer im Verschwinden begriffenen Vielfalt die Rede ist. Dies gilt ganz besonders für kulturelle Vielfalt – der die Vorstellung von nationaler Einheit gegenübersteht. Vielfalt in dieser Hinsicht ist in den Augen der politischen Eliten der Balkanstaaten eher problematisch.
Die Herkunft bzw. Bedeutung des Namens "Šopi" ist weiterhin unbekannt. Eine der ersten schriftlichen Erwähnungen findet sich in einem Reisebericht in der Zagreber Danica Horvatska von 1844. Dort dient Šopluk zur regionalen Unterteilung der östlichen Balkanhalbinsel in ein "richtiges Bulgarien" um Plovdiv, sowie westlich davon das Land der "Šopovi".
Insbesondere die bulgarische, später die serbische und dann auch nach 1945 die makedonische Volkskunde fügten auf den folkloristischen Mental Maps den "Šopluk" als "ethnische Gruppe" bzw. "Variante" ein. Es handelt sich um einen geografischen Raum, der gebirgig und kleinräumig strukturiert ist, sich in Nord-Süd-Richtung entlang der heutigen serbisch-bulgarischen und makedonisch-bulgarischen Grenze erstreckt, dort vor allem im Gebiet des Osogovo Gebirges mit den beiden lokalen Zentren Kriva Palanka und K
📌 Kaynak
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