Wiens erster Dino-Hype: Der Diplodocus – Das kaiserliche Geschenk des US-Millionärs
Diplodocus carnegii, ein urzeitlicher Gigant aus Nordamerika, eroberte am Beginn des 20. Jahrhunderts als Gipsreplik die Alte Welt und begeisterte die Massen
Diplodocus carnegii, ein urzeitlicher Gigant aus Nordamerika, eroberte am Beginn des 20. Jahrhunderts als Gipsreplik die Alte Welt und begeisterte die Massen
Im Gastblogbeitrag betrachtet Thomas Hofmann, Geologe und Bibliothekar, die Geschichte des größten Objekts im Naturhistorischen Museum.
Das wohl imposanteste Objekt des Naturhistorischen Museums in Wien (NHMW), der 26 Meter lange Diplodocus carnegii, war ein "Geschenk des Herrn A. Carnegie an Seine k. u. k. Majestät, den Kaiser von Oesterreich". Obwohl es "nur" ein Abguss war, mindert das weder dessen Wert noch den Aufwand, der mit der Aufstellung des Fossils aus den Vereinigten Staaten verbunden war. Mit vereinten Kräften wurde der Abguss von "Dippy", so dessen amerikanischer Spitzname, dank gut geplanter Vorarbeiten im Frühjahr und Sommer 1909 rechtzeitig fertig.
Am 24. September 1909 legte Kaiser Franz Joseph am Weg von Schönbrunn in die Wiener Hofburg einen 15-minütigen Zwischenstopp beim Museum ein. Hier erklärte der eigens angereiste Professor William J. Holland (1848–1932), Direktor des Carnegiemuseums in Pittsburgh (Pennsylvania, USA), im Beisein von Intendant Franz Steindachner (1834–1919), dem Monarchen dessen Geschenk. Seine Majestät "brachte dem Abguß das lebhafteste Interesse entgegen". (Neues Wiener Tagblatt, 24. September 1909). Prompt wurden Holland und sein mitgereister Assistent, Arthur Sterry Coggeshall (1873–1958), mit kaiserlichen Orden geehrt. Es folgte ein wahrer Dino-Hype, an den Sonntagen im Oktober 1909 kamen jeweils mehr als 8.000 Besucher, um Dippy zu sehen – doch dazu später.
Der edle Spender, der US-Amerikaner Andrew Carnegie (1835–1919), war als Stahlmagnat einer der Reichsten seiner Zeit. Unter anderem beehrte er als großzügiger Gönner zahlreiche Museen mit Diplodocus-Abgüssen. Dazu die Vorgeschichte: Anfang Oktober 1902 hatte König Edward VII. Carnegie auf dessen Schloss in Schottland besucht. Als der König dort ein Bild des rekonstruierten Diplodocus sah, war er begeistert und wollte ebenfalls ein Exemplar haben. Freilich war an ein Original nicht zu denken. Frei nach dem Motto, "think big", ließ Carnegie 1903 mehrere Abgüsse für "all the Crowned Heads", die gekrönten Häupter der Alten Welt, herstellen. Angesichts der damit verbundenen Publicity und den Schlagzeilen, die Carnegie mit dem nach ihm benannten Diplodocus carnegii bekam, war das perfektes Marketing, um den Namen Carnegie auch in Europa bekannt zu machen.
Den ersten Abguss bekam am 12. Mai 1905 König Edward VII. für das Natural History Museum in London. Das nächste Exemplar ging nach Berlin für Kaise
📌 Kaynak
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