Sieben Narben: Leben zwischen Nadeln und Hoffnung
Wenn dein Vater süchtig ist, dann gibt es nur zwei Wege für dich: Entweder du wirst auch süchtig, oder du hasst die Droge
Wenn dein Vater süchtig ist, dann gibt es nur zwei Wege für dich: Entweder du wirst auch süchtig, oder du hasst die Droge
"Natürlich hat sich einiges geändert, seit ich diese kleine Geschichte geschrieben habe", sagt Gastblogger Martin Auer. "Aber die Fortschritte sind mühsam erkämpft. Erst vor vier Jahren hat das European Roma Rights Centre vor einem mazedonischen Gericht das Gesundheitsministerium wegen Diskriminierung von süchtigen jugendlichen Roma verklagt und durchgesetzt, dass das Ministerium ein Behandlungszentrum einrichtet. Aber das Wichtigste ist natürlich Bildung und Arbeit."
"Was soll ich dir sagen. Manche Leute glauben, dass ich drogenabhängig bin. Die sagen: 'Die Sandra? Das ist doch die Drogensüchtige!' Weil ich mich mit den Süchtigen abgebe, weil ich mich um sie kümmere, deshalb glauben sie, ich bin selber süchtig. Nein, ich bin nicht süchtig. Ich bin mit Süchtigen aufgewachsen. Mein Vater ist süchtig, ja. Wenn dein Vater süchtig ist, dann gibt es nur zwei Wege für dich: Entweder du wirst auch süchtig, oder du hasst die Droge. Aber sie kann dir nicht egal sein. Du kannst nicht einfach leben und dich nicht darum kümmern, dass es die Droge gibt, dass es Leute gibt, die ihr verfallen sind. Das geht nicht. Willst du Kaffee?"
"Was ist mit unserem Interview?", sage ich. "Ich hab die Kamera hier."
"Ich habe die Bereichsleiterin gefragt und sie hat gesagt, sie muss den Chef fragen. Aber der kommt erst nächsten Montag wieder, der ist auf einer Tagung in Barcelona."
Sandra geht nach hinten, um Kaffee zu machen. Sie wechselt ein paar Worte mit der Krankenschwester, die hinten im Behandlungsraum sitzt und in einem Magazin blättert. Die Krankenschwester ist auch eine Romni, eine junge Frau, die ihre gute Figur mit engen Jeans und T-Shirts betont. Leider spricht sie kein Englisch. Der Sozialarbeiter und die Bereichsleiterin sind Mazedonier. Die sind nicht jeden Tag hier. Mazedonier. Das ist auch so eine Sache. Als ob Roma keine Mazedonier wären. Aber auch die Roma reden hier so.
Ich studiere das Plakat an der Wand: HOPS - Healthy Options Skopje Project. Eins von 450 Programmen in 136 Ländern, die vom Global Fund to Fight HIV, Tuberculosis and Malaria gefördert werden. Acht Milliarden Dollar hat der Fonds schon ausgegeben. Letztes Jahr hat Angela Merkel in Deutschland eine Geberkonferenz eröffnet, um den Fonds wieder aufzufüllen. Konferenzen müssen sein. Tagungen auch. Aber wissen würde ich doch gern, wie viel von den acht Milliarden für Flugtickets und Hotelzimmer draufgehen.
Sandra bringt mir Kaffee. Ihr Englisch ist so amerikanisch, dass ich
📌 Kaynak
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